In diesem Beitrag geht es, meiner Ansicht nach, um zwei recht klassische Alltagsweine, zumindest für Weinfreunde. Im Mittelpunkt stehen ein Rosé und ein Rivaner aus der Reihe Kumpan des Weinguts Geier. Beide aus dem warmen Jahr 2018 und jung gefüllt. Wenn man (wie ich hier im Taubertal) an der Quelle wohnt, dann ist ein klassischer Alltagswein jedoch normalerweise schon (in der Mehrweg Literflasche abgefüllt) für durchschnittlich ca. 4 – 5 € je Liter in quasi allen Rebsorten verfügbar. Soweit sogut normal.

Die zwei Flaschen hatte ich als einen kleinen Rabatt zum Kauf der Scheurebe Sektflaschen bekommen, welche ich Ende Mai vor Ort in Königheim für eine Veranstaltung gekauft hatte. In meinem letzten Beitrag zu meinem ersten Wein von Andreas Geier – dem Weißburgunder Adlatus – hatte ich schon kurz geschrieben, wie ich denn Andreas Geier erstmals kennen gelernt hatte.

Weingut Andreas Geier - Königheim - Taubertal

Als ich jetzt erneut da war, weil ich auf der Durchreise war, hatte ich mir noch ein paar Infos zur Ökologie und den Weinen eingeholt. Andreas Geier hat für alle Besucher während der Vegetationsperiode (vornehmlich um den Sommer) mitten im Ort ein paar Rebzeilen angelegt und eine Grünfläche der besonderen Art. Eine circa etwas über 30 Quadratmeter große Bienenweide als Bienenrastplatz und vielfältiges Nahrungsangebot. Diese kleine bunte Blühfläche ist jedoch nur ein Beispiel für die restlichen 20.000 Quadratmeter Bienenweide außerhalb Königheims.

Nun zum Companion Rosé: Dieser Rosé ist ein Kumpel, wie er im Buche steht. Er ist schlank, im Sinne von geradlinig, drängt sich nicht in den Vordergrund und ist aber dennoch voll da. Mit 13,5% alc. ist das auch kein Problem ! Ein Kumpan wie man ihn sich wünscht. Als Wingman ist er aber untauglich, da er viel zu gut aussieht. Seine leuchtendes Kupferrot wirkt fast hypnotisierend ! Ein rosé-farbener Wein der die Augen Aller anziehen kann, wie eine Blume allerlei Bienen und Schmetterlinge !

Der Rosé besteht aus einer Komposition von 60% Pinot Meunier bzw. Schwarzriesling vom Dittigheimer Steinschmetzer und 40% Dornfelder vom Königheimer Kirchberg. Die sehr gesunden Trauben wurden entrappt bzw. abgebeert und diese Beeren wurden anschließend ohne Maischestandzeit bei recht geringem Druck, klassisch in der pneumatischen Presse, sanft gepresst. Hätten die Trauben ein oder zwei Stunden auf der Maische verbracht, wäre dieser Rosé eher tiefrot, glaube ich. Aber so ist er genau richtig in Farbe und Intensität !

Kombiniert hatte ich mir meinen Kumpan am Abend ohne etwas dazu. Urteil: Klasse zum bedenkenlosen genussvollen Wegsüffeln, aber auch, wie im Bild zu sehen, zu einem klassischen Teller Tortellini mit formaggi e prosciutto crudo mit Bio-Parmigiano Reggiano, angeschwenkt in etwas Butter mit getrockneten Tomatenflocken. Nette Kombination, auch wenn das Essen etwas feminin erscheint. Der Rosé ist zum Glück divers*. Der geht echt zu fast allem, wo er sich nicht unbedingt vordrängeln soll. Alles in Allem ein toller Begleiter mit toller Farbe und feinem Bouquet ! Nun noch zum Rivaner.

Noch kurz etwas zur Rebsorte: Rivaner ist nichts anderes als Müller-Thurgau. Die inzwischen fast 140 Jahre alte Sorte Müller-Thurgau wurde 1882 von Hermann Müller-Thurgau in Geisenheim aus Riesling und Madeleine Royale gekreuzt. Sie ist die erfolgreichste Neuzüchtung eine Weißweinrebsorte weltweit. Erst 1957 hat Heinz-Martin Eichelsbacher an der LWG in Veitshöchheim in Franken herausgefunden, dass es sich nicht um eine Kreuzung aus Riesling und Silvaner handelt, was schlecht informierte Bürger zum Teil heute noch glauben. Silvaner-Erbgut ist hier nicht enthalten, sondern Madeleine Royale.

Der Rivaner vom letzten Jahr wurde relativ früh, aber mit vollen 90° Öchsle gelesen. Andreas Geier hat die Lese im Königheimer Kirchberg dafür schon um 4 Uhr begonnen. Anschließend stand der Rivaner ein paar Stunden unter CO2 auf der gekühlten Maische. So ist er jetzt recht fruchtig-süß und reduktiv ausgebaut und spricht junge ebenso wie unkomplizierte Weine bevorzugende Weinfreunde gleichermaßen an. Er ist definitiv gut restsüß, hat aber dennoch volle 12% alc. zu bieten. Noch zum Geschmackserlebnis des Tropfens. Ausgehend davon, dass man ihn fein herunter gekühlt hat, finde ich kann man sagen, dass das ein wirklich top fruchtbetonter Wein ist. In der Nase spürt man die sehr fruchtigen Aromen. Vornehmlich florale wie Holunder und Jasmin sowie fruchtige Noten wie grüne Stachelbeere und Weiße Johannisbeere. Auf der Zunge spürt man eine kühle Exotik mit etwas Honig und leichter Tendenz zu einem feinen Aroma, dass an Mandarine erinnert. Der läuft !

Ich kombinierte zum Rivaner ein Knoblauch-Käse-Focaccia mit angebratenem geräuchterm Tofu und Kirschtomaten mit etwas Basilikum in Olivenöl. War top !

Für meine Verständnis: Alles in Allem zwei individuelle junge, lebendige, frische Weine für légère und unkomplizierte Momente und Gelegenheiten !

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