In einem meiner ersten Einträge vom 25. Februar 2019 schrieb ich über ein Weinpaket aus dem Piemont, welches ich bestellt hatte und letztendlich auch äußerst erfreut in Empfang genommen hatte. Unter anderem war auch ein Arneis-Weißwein dabei. Dieser vom Weingut Mo aus Cisterna d’Asti ist aus dem sonnigen Jahr 2018 und mit vollen 14% alc. beseelt. Soweit tolle Gegebenheiten, da ich ja ohnehin ein Piemont-Fan bin und rote wie weiße Weine eigentlich gleich gerne trinke. #trinktmehrRoeroArneis ! 😉

Anbei erfährt man auch schon auf der Webseite der Azienda Mo, dass hier ohne Herbizide und chemische Dünger gearbeitet wird. Wobei ich meine, dass beides für einen guten Winzer, vor allem südlich der Alpen, generell keine Option sein sollte. Dabei wirken die jährlich bis halbjährlich aufkommenden Skandale, wie sehr ernst gemeinte Weckrufe, sich der der Ökologie der Erzeuger zu informieren.

Aber worum handelt es sich denn bei einem Arneis ? Arneis ist eine der zurecht wieder in Mode gekommenen Rebsorten, welche das Piemont schon fast vergessen hätte. Die mindestens 500 Jahre alte und im Piemont autochthone Rebsorte wurde bis vor 30 Jahren gerade einmal noch auf circa einem halben von damals etwas über 450 Quadratkilometern Rebfläche im Anbaugebiet zu Füßen der Berge im Nordwesten Italiens angebaut. Inzwischen ist die Rebfläche wieder stark angestiegen und auf über 800 Hektar gewachsen. Roero Arneis ist jetzt wieder eine anerkannte und geschätzt wie auch gefragte Rebsorte. Sowohl gesellschaftlich, aufgrund der wohl auch gestiegenen Nachfrage, als auch agrar-politisch, mit der Erhebung zum DOCG-Status im Jahr 2004.

In meinem Gedächtnis habe ich Roero Arneis immer ein wenig als Riesling-Weißburgunder aus dem Piemont abgespeichert. Auch wenn ich damit in allen Belangen etwas daneben liege, bin ich der Meinung, dass ein Roero Arneis vielseitig und elegant – genauso wie fruchtig und würzig sein kann, bis hin zu kernigen und pfeffrigen Nuancen. Was mir bei diesem 14-prozentigen Arneis immer wieder einmal auffiel, war ein dezentes Aroma nach ‘Wiener Boden’ und feinen Nüssen – alias Mandel und Macadamia. Anfangs glaube ich, hat dieser Weißwein eine minimal ‘fette’ Art mit nussigem ‘Beigeschmack’, auch wenn es sich eben nur einen Anflug von Aromen bzw. Ausflug von Aromen aus dem Glas heraus handelte.

Dieser noch junge Arneis vom Weingut der Familie Mo kommt mir vor wie ein typischer italienischer Charakter. Gut gekühlt ins Glas gegossen, wirkt er anfangs kühl und frisch mit dezenten Fruchtaromen irgendwo zwischen gelben Früchten und ganz dezent auch Zitrusfrüchten, aber dennoch sanft. Es duftet irgendwie auch ein wenig nach Frühlingsblüten im Frühsommer und irgendwie auch dezent nach sehr jungen Kräutern.

Was die ‘Nase’ betrifft, bin ich ziemlich gleicher Meinung wie Fabio Magnani, wenngleich er da mehr zu riechen scheint. Die Holunderblüte konnte ich leider nicht erkennen, aber die Feinfruchtigkeit mit floralen Anklängen deckt sich bei unseren Erkenntnissen. Man muss aber auch sagen, dass er einen älteren Jahrgang im Glas hatte. Alles in Allem also ein fein fruchtiger und fein gliedriger Wein am Anfang. Doch dann kommt der italienische Charakter wieder stärker in den Vordergrund.

Denn bei steigender Temperatur im Glas und am Gaumen, zeigt dieser Arneis sein wahres Antlitz ! Ein Charakter eben in gewisser Weise typisch italienisch ! Erst kühl und freundlich, dann aber emotional und temperamentvoll. So zeigt sich dieser Piemontese. Auf der Zunge und am Gaumen gibt es auf einmal Druck und Würze. Ein Kraft, die (wenn man ihn nur bei 6-8°C rasch austrinken würde) man so gar nicht bemerken würde, außer man lässt ihn kurz wirken und sich aufwärmen. Dann kommt er schon fast etwas übermütig für einen jungen Weißwein daher.

Man muss die 14% Alc. aber beachten. Wenn Sie gut integriert sind, wie bei diesem Wein, spürt und schmeckt man keinen Alkohol oder ähnliches, sondern Geschmack, von vorn bis hinten ! Ich finde, dass das hier bei diesem Wein sehr gut gelungen ist. Man kann förmlich zuschauen, wie mit jedem Grad an Temperatur im Wein sich auch dessen Geschmack verstärkt und die Länge jedes Abgangs immer mehr zunimmt. Ein Wein der weder kurzweilig noch langweilig ist, sondern einfach interessant & lecker !

Ich habe diesen Wein zu diversen Sachen kombiniert. Er hat in meinen Augen (vielleicht habe ich ja auch ein wenig eine rosa-rote Brille auf) zu allen Kombinationen eine gute Figur gemacht. Die beste Kombination war aber das Glas zum Mund zu führen. Der Trinkfluss, hervorgerufen durch eine wirklich minimale Bitterkeit, eine dezente Salzigkeit (was wahrscheinlich an der guten Mineralität des Bodens der Weinberge liegt – siehe Expertise auf der Webseite) und der frischen Kraft dieses Arneis, ist wirklich eindrucksvoll. Mir ist noch ein Geschmack von Apfel bzw. Cidre aufgefallen, den ich erst etwa eine Minute nach dem jeweils letzten Schluck bemerkte. Hut ab, cooles Zeug !

Ich stelle für mich fest, dass auch wenn ich wenige Daten über die Herstellung des Weines besitze, er mir dennoch schmecken kann. Wenn ich nun noch wüsste ob der einen biologischen Säureabbau gehabt hat und oder kurz im Holz war, fände ich das zwar noch schöner, aber ich kann auch so glücklich mit diesem Wein sein. Ein Klasse Arneis, immer gerne wieder ! Mehr kann ich dazu nicht sagen !

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