Als ich im Januar 2019 zum Skifahren in das nördliche Piemont aufbrach, bat ich einen sehr geschätzten und viel beschäftigten Freund und ausgemachten Wein-Profi um ein unkompliziert zusammengestelltes Langhe-Roero-Paket, um Versandkosten zu reduzieren. Zu dem Zeitpunkt hatte

ich die Rechnung ohne die italienischen Zusteller gemacht. . , welche innerhalb einer Woche, das Paket die letzten 50 von 240km nicht zustellen mochten. In der Heimat zurück, kam das Paket aber rasch an und die Überraschung war groß, da mir alle Weine neu waren.

Ein überraschender Wein dieses Paketes ist eine Flasche Bonarda 2017 der azienda vitivinicola MO aus San Matteo, Cisterna d’Asti. Ein Grenzposten zur großen Nachbarprovinz Cuneo.
‘Bonarda’ steht schlichtweg auf dem Etikett – mit dem Verweis, dass das gute Stück aus dem Piemont kommt.

Die rote Rebsorte Bonarda ist in Europa inzwischen eher eine Seltenheit und wird im Grunde nur noch in Italien wirtschaftlich sinnvoll vinifizert und auch reinsortig ausgebaut. Weitere Bestände sind in Argentinien zu finden. Bonarda hat eine relativ dünne Beerenhaut und dementsprechend auch weder die allermeisten Tannine noch tiefste Farbe.

by the way Bonarda wird ggf. auch Croatina genannt und Verwechslungen sind landläufig nicht ausgeschlossen. Dieser Bonarda kommt aus Lagen der Gemeinden Cisterna d’Asti und Canale (nicht Canelli – gleicher Entfernung auf der anderen Seite des Tanaro), wurde per Hand gelesen und unkompliziert und klassisch verarbeitet. Nach Angaben das Weinguts wurde entrappt & gequetscht und wohl knapp eine Woche auf der Maische belassen mit anschließender malolaktischer Gärung. Die Maische wurde scheinbar vor dem Ausbau noch in einen Autoklaven gesteckt, wobei ich noch herausfinden muss und möchte, wie dieser Trick denn genau funktioniert.

Der Erste Eindruck ist ja immer der wichtigste … darf man in diesem Fall aber einmal ein wenig vergessen ! Was im Grunde auch für alle musierenden, perlenden oder gar schäumenden Weine gilt. Ein vorschnelles Urteil wäre bei solchen flüssigen Köstlichkeiten einfach nur überschnell, da sich die meisten entweder im Glas oder mit etwas Sauerstoff in der Flasche am kommenden Tag mitunter stark verändert zeigen und ein völlig anderes Bild abgeben.

Dieser Bonarda hat überraschend viel CO2 intus und er schiebt nach ! Selbst nach einer Woche vernimmt man noch ein eindeutiges zischen, beim Herausziehen des Korkens. Der Korken ähnelt ganz beiläufig erwähnt weder einem normalen Stillweinkorken, noch einem Schaumweinkorken – es ist vielmehr ein Niedrigdruckkorken (< 2 bar), ähnlich denen für Moscato d’Asti oder ähnlich. In meiner Unwissenheit hab’ ich sogar ein Teil der Kohlensäure absichtlich herausgeschüttelt. Danach hatte ich mich erkundigt, ob der denn so sein muss.
Antwort: Ja ! Genau so ist er gedacht und soll er auch sein.

In Kombination mit Zweierlei Kürbis-Ravioli und etwas Trüffelbutter

Anfangs duftet es aus dem Glas (Rona Mode) eindeutig malolaktisch, dann aber klar und sauber, leicht würzig mit Anklängen von ziemlich dunkler Schokolade und Aromen dunkelroter Beeren, leider jedoch ohne große Eindeutigkeit(en). Er empfiehlt sich geradezu mit seiner nicht zu kühlen, aber angenehmen Frische eines musierenden Rotweins.

Am Gaumen zeigt sich die malolaktische Nuance nur ganz kurz und weicht dann einer ungeahnten feinen und aber auch wirklich kräftigen Art. Er ist tatsächlich noch etwas eleganter und auch adstringierender als mein Unwissen anfangs angenommen hatte. Auch könnte man meinen er hätte mal ein großes Fass gesehen, laut Azienda Mo aber lediglich, Beton, Stahl und die Flasche.

Kurzer Rückblick: Als ich ihn zum ersten mal probierte, fand ich ihn dezent süß, was nach ein paar Tagen der Belüftung fast nicht mehr vorzufinden ist.
Was geblieben ist, ist das Aroma der dunkelroten Beeren und die tolle rubin rote fast violette Farbe und beim letzten Schluck sogar ein Hauch von Amarena Kirschen.

Es ist ein schöner, introvertierter, vollmundiger, anfangs gut musierender, klassisch piemontesischer Rotwein, der auf jeden Fall in Deutschland seinesgleichen sucht. Ich möchte nicht sagen, dass solch ein Bonarda in Deutschland Mangelware ist, aber er ist allemal eine Bereicherung degs Fachhandelsortiments. Solche Weine haben Ihren großen Auftritt in Degustationsmenüs ausgezeichneter Restaurants, bei denen sie das Menü durch eine in gewisser Weise zurückhaltende Erscheinung positiv hervorheben können. Wenn ich wieder einmal im Piemont bin, werde ich mir eine weitere Flasche Bonarda schnappen !

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