ErdbeerKuh vorm Hofladen in Altlußheim in der Rheinhäuser Str. 21

Eines Sonntags Ende Juni war ich ein wenig in Rheinhessen und der Pfalz unterwegs und bin zufällig in Freinsheim vorbeigekommen. Ich googelte nach einem Bio-Winzer .. konnte aber nichts in der unmittelbaren Umgebung finden, was auch noch geöffnet hatte. Die Sonne schien, das Wetter zeigte sich von seiner sonnig-warmen Seite. Ich wollte schon das Städtchen verlassen, da viel mir das Weingut Krebs auf. Ich erinnerte mich, einen derer Weine positiv im Gedächtnis behalten zu haben. Es muss vor einigen Jahren auf einem der Vinocamps in Geisenheim gewesen sein, als jemand eine Flasche der Familie Krebs zur Verkostung ausschenkte. Also bog ich auf den Hof des Weingut ab und hatte viel Glück, dass Senior Chef Harald Krebs eben zu gegen war, um bestellten Wein einzuladen. Ich schaute mich rasch und sprach ihn an und er hatte 2 Minuten Zeit für mich.

Es ist ein schöner und gepflegter Hof mit diversen Insekten-Parkmöglichkeiten. Es ist gemütlich, grün, blühend und wirkt einladend. Man sollte nur zu den Öffnungszeiten kommen, da ich per Zufall da war, hatte ich Glück, dass jemand da war.

Olivenbaum in der Blüte

Auf der schön gemachten Internetpräsenz der Familie und des Weinguts kann man jede Menge erfahren, nicht nur Prosa sondern auch einige Fakten rund um die Lagen, die Kollektion, Ferienwohnung, Veranstaltungen uvm. – logisch. Ein modernes Weingut muss heutzutage sehr wirtschaftlich denken und arbeiten und da gehört es dazu das Angebot an potenzielle Kunden möglichst breit aufzustellen. Vom reinen Weinverkauf kann hingegen nicht jedes Weingut gut leben.

Ich sprach also Chef Harald Krebs an und fragte ihn als erstes, ob das Weingut denn in irgendeiner Art und Weise biologisch bzw. ökologisch arbeitet? Und zu meiner Freude und Zufriedenheit, konnte er bestätigen, dass der Betrieb inzwischen zertifiziert ist. Auf der aktuellen Weinliste sind inzwischen 7 Weine, die aus der Umstellung raus sind und offiziell mit dem Zusatz ‘Bio’ versehen sind.

Olivenbaum hinten rechts im Bild

Ich ließ mir Weine empfehlen, die auch sowohl das Haus als auch die Region wiederspiegeln. Harald Krebs griff ohne großes Zögern zu den Klassikern. Dabei herausgekommen sind die beiden Ortsweine: Spätburgunder und Riesling. Beim Spätburgunder kommen die Trauben wohl vom Freinsheimer Musikantenbuckel, nördlich vom Dorf gelegen.

Ganz hinten der Buckel des Musikantenbuckel – rechts die Straße gen Norden nach Großkarlbach / Laumersheim

Ich war glücklicherweiser auch genau im am besten passenden Moment da. Die Kirschen waren ohne Ende reif !
Die Fruchtbarkeit des Bodens spricht in der Pfalz vieler Orten klar für sich. Auf dem Musikantenbuckel sind es nach Aussage der Webseite lehmige Quarzsandböden mit vereinzielt Löss und Kies, wobei letzterer für Reben nicht ganz optimal sein soll, was die Mineralik angeht. Es muss sich aber auch nicht jeder Wein über die höchst mögliche Mineralik und Salzigkeit definieren. Das ist mitunter sehr schön, passt aber auch nicht zu jedem Wein, Weingut oder den Rebsorten spezifischen Kundenwunsch, je nach Level in der Weinliste. Ich habe hier einen Ortswein und dieser ist den Kunden nach der klassischen Trinkigkeit verschrieben.

Kirschbaum auf dem Hof vom Weingut Krebs maximal voll behangen

Der Freinsheimer Spätburgunder 2016 ist ein klassischer Vertreter, der >manche mögen ‘weichgespült’ sagen< hier sehr weich ausgebaut ist. Er ist bei weitem nicht sehr ausgeprägt adstringent, was an der guten Einbindung durch den Ausbau im Holz liegen wird. Es kann aber auch sein, dass der Druck der Presse nicht allzu hoch war. Zum dritten wirkt sich da auch die malolaktische Gärung bzw. der biologische Säureabbau aus. Am ersten Tag kam mir noch ein Geruch a la ‘Brett’ entgegen, welcher sich an Tag 2 und 3 aber mehr und mehr legte. Daher würde ich schon mal raten, selbst wenn es nur ein Wein der Stufe der an die VDP-Klassifizierung angelehnten Qualitätsstufe Ortswein ist, diesen Wein ein bis zwei Stunden vorher zu dekantieren.

Vordergründig ist am Anfang vor allem etwas Holz vom Ausbau, den man in der Nase am ehesten wahr nimmt. Es ist davon auszugehen, dass diese Spätburgunder entweder halb und halb in Stahl und relativ wenig belegten getoasteten Fässern oder nur in dezent mehrfach belegten Holzfässern ausgebaut wurde. Im Mund ist bei steigender Temperatur des Weines schon viel mehr Würze allgemein und Gewürze nach Nelken und, wie ich finde, etwas warmen Garam Masala, wahrzunehmen. Der warme Eindruck wird zum einen am Rotwein selbst und zum Anderen an den Temperaturen des Weines und der Umgebung sowie dem Holzfassausbau liegen, glaube ich.

Zum Aspekt der Fruchtigkeit kann man zweifelsfrei sagen, dass er relativ stark an dunkle Beeren erinnert und wenn man sich ausreichend Zeit zwischen den Schlucken lässt, auch etwas burgundisches hat. Im anfangs kühleren Temperaturbereich kann man Aromen von Sauerkirschen erkennen. Die anfangs noch scheinbar präzise Säure tritt bei diesem Wein, mit zunehmender Temperatur, etwas in den Hintergrund. Nicht unschuldig ist dabei die recht hohe Dichte des Weines. Er kommt je nach Temperatur relativ dicht und schwer daher. Insgesamt eine opulente, wenn auch nicht zu verspielte Angelegenheit.

Das burgundische kommt bei minimal höheren Temperaturen im Glas eher zum Vorschein und erinnert an Cassis bzw. Schwarze Johannisbeeren. Teilweise kommen Assoziationen von getrocknetem grünem bis braunem Tee, sowie ganz sanft Tabak und minimale Ledrigkeit und leicht torfige Erdigkeit auf. Letzteres vor allem vor dem Dekantieren. Der Wein wirkt anfangs jugendlicher und wird noch im Glas sehr erwachsen. Eine wirklich unterhaltsame Angelegentheit !

Ich finde die Beschreibung von vinomi.de zum Freinsheimer Pinot des Vorjahres für diesen 2016er noch sehr passend. Es scheint also eine gewisse Linie vorhanden zu sein. Hut ab!

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