Coste-Lise 2015

Gleich zum Anfang: Ich weiß leider nicht mehr wo der Wein her kommt, aber ich war irgendwo mit meiner Freundin unterwegs und sah diesen Wein im LEH und musste ihn mitnehmen. Wahrscheinlich war es im Detailhandel in der Schweiz.
Das Etikett und die Informationen auf dem Rückenetikett versprachen ein gewisse Maß an Spannung und Qualität, welche nur ein klassischer Winzer auf die Flasche zu bringen vermag. Auch bei facebook war eine typisch angelegt Präsenz vertrauensvermittelnd ‘wirksam’ auf mich. Am Ende sollte jetzt die Antwort auf die äußerliche Einschätzung folgen. Ich war also natürlich sehr gespannt !

Ok, worum handelt es sich? Ich musste selbst erst einmal das Internet anstrengen, um herauszufinden, was ich hier vor mir habe. Das Weingut Château La Baronne der Familie Lignères unter Leitung von Chefin Suzette Lignères befindet sich bei Fontcouverte in Frankreich. Verantwortlich für die Weine selbst sind jedoch Jean und Paul Lignères, die mit viel Akribie und Feingefühl ihrer Lagen ganz individuell verstehen und verarbeiten. Ich glaube das hätte auf der ersten Blick auch jede Laie gesehen. Aber wo da aus Frankreich ? Im Grunde ist das dem gewöhnlichen Endverbraucher egal bzw. recht gleichgültig, da er den Unterschied eh nicht kennt. Wer sich aber auch nur ein wenig auskennt, weiß, dass Frankreich nicht gleich Frankreich ist und genauso wie in jedem anderen Land auch große Unterschiede unter den einzelnen Weinbauregionen bestehen.

ALARIC, MONTAGNE DES CORBIERES – LE PECH D’ARIC – Eric Andreoli, 2006

Dieser Rotwein kommt aus dem südlichen Departement Aude in der Weinbauregion Languedoc. Und da aus der etwa 11500 Hektar Weinreben umfassenden AOC Appellation Corbières und da ganz speziell aus der nordwestlichsten Ecke, der Montagne d’Alaric, welche nur noch knapp 3000 ha umfasst.

Wenn die Cuvée COSTE-LISE in ihrer Zusammensetzung immer ähnlich bzw. wenn nicht gar gleich ist, dann sollte dieser Wein aus 50% Carignan, der wichtigsten Rebsorte des Weinguts und 30% Syrah sowie 20% Mourvèdre bestehen. Der hohe Anteil Carignan ist wenig verwunderlich für die Preislage des Weins und die Herkunft dessen. Carignan zählt in Südfrankreich zu den wichtigsten Rebsorten, vor allem mit Blick auf die günstigen Weine der Region. Diese Rebsorten stehen hier auf Ton und Kalkgestein und das seit 40-45 Jahren !

Aber hier soll weniger Masse und mehr Qualität im Wein stecken, sagen zumindest die Daten. Statt hoher Erträge wurden selbst für diesen fast schon anspruchsvollen Basic-Wein lediglich 25 hl je Hektar gelesen und in Beton und Edelstahl ausgebaut. Aber nicht einfach so, sondern erst nach etwa 3 Wochen Maischestandzeit. Nach etwas über einem Jahr im Fass kam die Coste-Lise dann mit 14 Umdrehungen auf die Flasche und das ungeschönt, unfiltriert und ungeklärt. Top !

Nun zum Wein ! Die 2015er Cuvée Coste-Lise besitzt ein wirklich tiefes und intensives Granatrot mit violetten Reflexen. Das Bouquet ist typisch für das Weingut Château La Baronne anfangs relativ kühl und frisch und mit steigender Temperatur des Weins geradezu wärmend und harmonisch. Auch dieser rote Basic-Wein ist wie die Weißen und Rosé-Weine des Weinguts gezielt schlank ausgebaut, mit sehr wahrscheinlich gerade so physisch vollreifen Trauben. Der Coste-Lise schmeckt gut balanciert, minimal zu säuerlich und ganz zu Anfangs auch mit einem wirklich mini-minimalen Essigstich. Die 14% alc. könnten etwas besser eingebunden sein; so wird leider ein wenig der Aromen überdeckt. Die Aromen, welche man erkennt sind aber intensiv. Ich rieche Brombeere, Waldbeeren und Sauerkirsche, welche von einem dezenten Tabakaroma begleitet werden. Trotz der stattgefundenen Malolaktischen Gärung, kommt der Coste-Lise sehr spritzig, jung und frisch rüber. Am Gaumen schmeckt man elegante und mittel kräftige Tannine und auch wieder die recht ‘saftigen’ Waldbeeren und eine ganz minimale Bitterkeitsspitze.

Vorteil: Man weiß ziemlich genau, wo die Ware herkommt.
Nachteil: In meinen Augen nicht perfekt harmonisch und dezent zu jung gelesen und minimal zu sauer, leider.
Fazit: kurzweilig, spannend, lecker und mal etwas anders !
Mehr / Besseres kann man für kleines Geld nicht verlangen !

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