Dieses Frühjahr ging es auf eine kleine Osteuropa-Rundreise und unter anderem auch für ein paar Tage nach Ungarn und Budapest sowie die Puszta. Eine tolle Reise mit jeder Menge ungeahnter Einblicke, in zuvor nicht gekannte Regionen Europas. Station war unter anderem der Balaton, Budapest und die Puszta. Ich kann jetzt ein wenig behaupten Ungarn gesehen zu haben, aber kennen gelernt habe ich es nur flüchtig. Es war einfach zu wenig Zeit verfügbar. Nichts desto trotz hat die Zeit ausgereicht, um diverse schöne Ort zu besuchen. Darunter war jedoch kein Weingebiet, weshalb ich auf dem Weg eines jeden Wein eingekauft hab. Drei, vier Flaschen habe ich mitgenommen, wobei da auch die Flaschen aus der Tschechei (Ostdeutsch für die Tschechische Republik) und anderen Ländern mit dabei sind.

Blick vom Hügel bei Bélatelep

Oben – ein Blick über den See aus knapp 30m Höhe über dem See, auf dem Hügel/Berg von Bélatelep im Südwesten des Balatons. Das Wetter hat zum Glück ganz prächtig mitgespielt und ‘normale’ Touristen waren noch sehr sehr fern. Selbst der Großteil der einheimischen Tourismuswirtschaft war noch im Winterschlaf. Nur vereinzelt wurde schon für den Sommeransturm geschraubt und gewerkelt. Unten – das Parlament von Ungarn im Zentrum von Budapest. Die Nacht verbrachten wir auf einem (Hotel)Schiff auf der Donau. Ein Besuch, der sich definitiv gelohnt hat. Die Hotspots in der ungarischen Hauptstadt wurden besucht und die Reise ging gen Puszta !

Zum Weingut: Vylyan liegt in der südlichsten Weinbauregion Ungarns Villány (früher Villány-Siklós) in der Region Baranya.
Bis zur Grenze nach Kroatien sind es gerade einmal 15 km Luftlinie. Eigentlich kann man von den (vor allem) gen Süden und Südosten exponierten Lagen am Fuße des Fekete-hegy Természetvédelmi terület (Black Mountain Naturschutzgebiet) bzw. Ördögárok / Villány locker über die Grenzen Ungarns hinaus blicken, aber die Blick auf die dortigen Lagen ist eigentlich spannend genug. Denn diese bieten eine sehr solide Grundlage für mehr als nur günstige Alltagsweine. Die Hügelkette verläuft von Ost nach West, so dass die Lagen vor dem kühlenden Nordwind geschützt sind. Diese Region hat wohl die meisten Sonnenstunden und die wärmsten Durchschnittstemperaturen des Landes. Hier vorherrschend ist Kalkgrundgestein mit einer Auflage aus Löss- und Tonböden. Früher wurden hier wohl mehrheitlich altbewährte Sorten wie Blaufränkisch, Kadarka und Oporto sowie Welschriesling (Olasz Rizling/-i, Olaszriesling, Olaszrizling) angebaut. In neuerer Zeit kamen aber auch Allerweltssorten wie Chardonnay, Cabernet Franc und Merlot dazu. Ob das sein muss? Wahrscheinlich nein! Aber das Marketing hat wahrscheinlich festgestellt, dass diese Rebsorten bei den Konsumenten höher Absätze oder Preisbereitschaften erzielen könnten. Heute könnte diese Erkenntnis sicherlich auch revidiert werden. Blaufränkisch ist sehr gefragt und Merlot scheint kaum einer zu benötigen.

Das Weingut hat sich wahrscheinlich berufen gefühlt, eine Cuvée zu kreieren, welches international anerkannt wird. Da halfen wahrscheinlich auch nur ‘moderne’, ‘neue’ Rebsorten. Mit der Cuvée Duennium ist ein Wein gelungen, welcher Gold Medaillen gewinnt und schon ab Hof mindestens 13000 Forint kostet – also knapp 40 €. Dieser besteht je nach Jahrgang nur noch aus einem Großteil Cabernet Franc und untergeordnet Cabernet Sauvignon, Syrah und Merlot.
Klar braucht solch ein Weingut auch n Imagefilm – logo !

Also: Vylyan baut auf über 120 Hektar Wein an und hat allein von diesem Exemplar ‘Ördög‘ (eigenen Angaben zur Folge) 140.000 Flaschen abgefüllt. Bei einem Ertrag je Hektar von circa 80 Hektolitern (Das Weingut selbst gibt 40 hl/ha an.) würde dieser Ördög allein etwa 13 ha benötigen bzw. verschlingen. Das ist tatsächlich eine Größe, die ich mir beim Kauf dieser Flasche nicht hätte vorstellen können und auch nicht hätte vorstellen wollen. Einziger großer Pluspunkt: In der Weinregion Villány setzte man wohl seit geraumer Zeit auf ökologischen bzw. ‘naturnahen’ Anbau. Bei diesem Aspekt war man tatsächlich ein wenig intelligenter als andere und hat erkannt was sinnvoll und notwendig ist und reagiert.

Beim Wein gibt man sich aber, auch auf diesem vermeintlich niedrigen Niveau, scheinbar einiges an Mühe. Nach Angaben des Weinguts besteht die Cuvée aus 37% Zweigelt, 33% Kékfrankos / Blaufränkisch und 30% Merlot. Die 3 Partien wurden getrennt gelesen, gekeltert und ausgebaut und erst am Ende verschnitten. Ausgebaut wurden die Partien zwischen 12 und 18 Monaten in älteren / mehrfach belegten 225 Liter und großen 6500 Liter fassenden Holzfässern aus ungarischer Eiche aus dem nordungarischen Sempliner / Tokajer Gebirge (Zempléni-hegység) und dem südungarischen Mecsek-Wald sowie französischer Eiche. Diesen Daten nach, könnte man eigentlich meinen einen jung gereiften und feinen Wein zu trinken. Ich fand den dann doch noch etwas knackiger, aber trotzdem jung und frisch.

Anbei noch ein kleiner Einblick in die berühmte Budapester ‘Große Markthalle’ Nagy Vásárcsarnok, welche innen dann doch irgendwie gefühlt etwas kleiner ausfiel. Dennoch ist eine Markthalle etwas Schönes, in der sich die städtischen Bürger eigentlich mit Händlern und Erzeugern vom Land treffen und in Kontakt kommen. In dieser Markthalle ist das ein wenig anders, als in der kleinen Markthalle von Colmar oder den Markthallen in Turin an der Piazza della Repubblica, denn hier offeriert gefühlt jeder zweite Händler ziemlich viel von dem Zeug, welches vor allem die internationalen Touristen gerne kaufen. Man könnte meinen, das Einheimische dann doch lieber woanders einkaufen gehen.

Zurück zum Wein: Der Ördög, mit seiner netten Story über einen liebestollen Teufel (aus der Legende von Villány) auf dem Etikett hat ein schönes dunkles Rot, irgendwo zwischen rubinrot und purpurrot mit leichten violetten Reflexen. Ich meine man kann diese im Bild hier darunter ganz dezent erkennen. Soweit schön anzusehen. 1,3 g Restsüße / Liter und 13,5% alc. soll der Ördög enthalten. Tatsächlich sind die nicht unerheblichen 13,5% Alkohol gut integriert, wie ich finde, da er nach einer normalen Belüftung keine vordergründigen Ethanolnoten aufweist und stattdessen vielmehr leicht florale, kräutrige und würzige und nicht zu schwere, an rote Früchte und Beeren erinnernde Aromen. In den Kopf kommen mir da Pflaumen, Heidelbeeren und Jostabeere. Der Holzfassausbau kommt tatsächlich nur leicht durch und hält sich echt angenehm eher im Hintergrund auf, noch davor befinden sich auch ganz leicht pfeffrige Aromen. Die Nase finde ich ziemlich gut !

Den Geschmack finde ich persönlich nicht mehr ganz so unterhaltend wie den Geruch. Er schmeckt irgendwie recht kühl und geradlinig mit strammer Säure auf der Zunge. Gefühlt ist hier kein biologischer Säureabbau von statten gegangen. Vielleicht liegt es auch an den Tanninen, welche doch recht adstringierend und etwas nervig sind. Eventuell ist es auch der Alkohol, welcher da mit durchkommt. Ich schiebe es ein wenig auf den Zweigelt und den Blaufränkisch, weiß aber auch nicht, wie das Weinjahr 2015 in Südungarn war. Die Tannine im Abgang halten echt lange an und ein kleines bisschen Sauerkirsche war auch noch dabei. Der Ausbau im Holz kommt hier fast überhaupt nicht mehr wirklich durch. Die Säure und die Tannine sind wirklich prägnant und präsent. Selten habe ich bisher so einen ‘austrocknenden’ Wein im Mund gehabt. Ob mir das gefällt weiß ich selbst auch noch nicht so richtig. Herausfinden werde ich das auch innerhalb des kommenden Jahres wahrscheinlich nicht.

Während des Beginnens dieses neuen Absatzes hier, ist mir aufgefallen, dass der Wein doch noch Kakao im Geschmack hat. Ich glaube da auch ein wenig an Suggestion. Dieser stark adstringierende Charakter des Weines, gaukelt einem sehr dunkle Schokolade bzw. reines Kakaopulver vor. Kann man angeben, muss man als neutraler Verkoster glaube ich aber nicht zwingend. Ein Verkaufsargument ist das auch nicht zwangsläufig – finde ich.

Ein nicht zu schwerer, gefühlt eher leichter, kühler Rotwein mit mittlerer Aromenvielfalt. Im Grunde ein einfacher und trotzdem spannender Einstieg in die Weinkultur Ungarns !

Zum Abschluss der Blick von der Fischerbastei in Buda über die Donau und die Innenstadt von Budapest in Pest. Keine Frage ein Besuch dieser Stadt ist vollends empfehlenswert !

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