Zu Ostern 2016 ( Ende März ) war der Gardasee das Ziel der Wahl. Logisch, dass im Fall Bardolino etc. eingekauft würde. Eine kleine Online-Recherche brachte letztendlich drei Weingüter auf die Besuchs- bzw. Einkaufsliste und Benazzoli war eines jener Weingüter. Ich dachte mir, dass diese Weine interessant werden könnten, denn rein von Frauen geführte Weingüter wie dieses sind selten. Also fuhr ich vorbei und kaufte ein. Agata, Tecla und Dafne. Ich war und bin gespannt !

Wie mir Agata gefiel, beschrieb ich etwa vor einem Jahr.

Die Entscheidung zugunsten des Weinguts Benazzoli fiel u.a. wegen der Aufmachung der Weine, der weiblichen Führung des Weinguts, inklusive Önologie, zumindest allem Anschein nach und des subjektiv gesehen scheinbar vor Zufriedenheit sprühenden Gesamteindrucks des Weinguts und seiner Mitarbeiter, bzw. vor allem Chefinnen. Leider habe ich nicht dran gedacht, vor Ort noch ein – zwei Bilder zu schießen.
UPDATE: Aber zum Glück ein paar Bilder nachträglich von den Damen des Weinguts zur Verfügung gestellt bekommen.

Wer keinen Plan von Wein hat, trinkt was ihm gefällt und schmeckt oder fragt hin und wieder nach, wenn etwas nicht verstanden wird oder einfach unklar ist. Mir war immer unklar, was eigentlich Chiaretto heißt bzw. bedeutet. Da der Begriff aus Italien kommt, kann die Bedeutung bzw. Übersetzung nicht so dramatisch sein… Da niemand zum Fragen zur Hand war, als ich mich fragte, was das denn bedeuten würde, blieb folglich nur das Internet um meiner Frage nachzugehen. Also: Chiaretto bezeichnet nicht viel mehr als ein Roséwein, welcher durch relativ kurzen Schalenkontakt – also einer recht knappen Maischestandzeit seine teils intensiv rosane Farbe erhält.

Dieser Chiaretto aus dem Bardolino besteht aus 80% Corvina und 20% Rondinella. Die Reben für diese Weine stehen rund ums Weingut auf steinige Böden der Gemeinde Pastrengo. Soweit so gut, wie hätte es auch anders sein sollen.
Untergrund besteht hier kurz gesagt aus Kies und Sand auf kleinen Moränenhügeln. Wer schon einmal im Bardolino war, der wird dieser Ecke sicherlich auch diverses schönes abgewinnen können. Ich finde es hier auf jeden Fall wirklich angenehm. Hier kann man wahrlich auch seine Kosten kommen und eigentlich alles bekommen, was man möchte: Berge, See, Wein, Ruhe, gutes Essen, Landschaft, Landschaft und nochmal Landschaft und natürlich auch nette Leute !

Gelesen und selektioniert wurden die beiden Rebsorten für diesen Chiaretto selbstverständlich von Hand.
Anschließend wurden die Trauben sanft angequetscht und etwas weniger als einen Tag lang auf der Maische stehen gelassen. Vergoren wurde die Cuvée dann klassisch modern und leicht gekühlt im Edelstahl. Für den Ausbau durfte der Wein dann für weitere 4 Monate im Tank bleiben. Geblieben sind 12% Alc. und weniger als 5g Restzucker und eine kräftige Säure, die ich jedoch als sehr angenehm empfinde ! Herrlich !

Ich gebe aber auch zugleich zu, dass ich Zitronen essen kann, ohne das Gesicht zu verziehen. Die Säure von Zitrusfrüchten ist für mich im Grunde kein Problem. Im Gegenteil, ich mag es.

Ich muss sagen, dass ich den Wein weit weniger duftig finde, als ich es erwartet hätte. Das Bouquet ist zurückhaltend floral und mit Nuancen von Walderdbeere und Kirsche. Angenehm so ohne unnötiges Schnickschnack ! Am Gaumen ist er recht nackt, aber auch knackig und frisch mit ausbalancierter Säure. Er hat vor allem ‘hinten raus’ viel Druck und wesentlich mehr Körper und vor allem Würze und auch etwas umami als erwartet. Er ist ‘saftig’ / juicy (ich hasse Modewörte nebenbei bemerkt, und das ist eines) und hat auch diesen gewissen ‘Schmelz’ (Modewort der Jahre davor, bevor ‘salzig’ stylisch war und noch vor ‘Mineralik’, aber nach ‘Terroir’ – Angaben ohne Gewähr !) Ein ganzer Mund voll geilem Wein ! … war mein Eindruck. Ich hatte selten einen Wein im Glas der vor allem dann noch sehr intensiv schmeckt, wenn er schon gar nicht mehr im Mund ist. Der wirklich lange Nachhall ist in Caudalie schon gar nicht mehr sinnvoll zu beziffern. Ich finde er liegt jenseits der 30 Caudalie.

Ich meine, dass das optimale Trinkalter von Tecla liegt bei 3 Jahren (+/-1). Meine Tecla hier ist glaube ich knapp über den Zenit hinaus. Nichts desto trotz, ist das für mich genau das richtige Alter. Jünger hätte ich ihn wahrscheinlich auch ncicht wesentlich besser gefunden. Für mich ein wirklich sehr angenehmer und leckerer Tropfen – in Form eines Chiaretto aus dem Bardolino !

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