Und wieder habe ich eine Flasche alten Wein aus meinem Keller geholt, damit das peu a peu mal weniger davon wird. Mann muss ja sagen, dass das Etikett echt alt hergebracht fast Mittelalter nostalgisch wirkt. Selbst für 1985 war das noch eine recht extravagante Aufmachung. Etwas zur Lage: Der Dromersheimer Honigberg erstreckt sich südlich rund um die gleichnamige Stadt, im nordwestlichsten Eck von Rheinhessen nahe Bingen, zwischen 140 und 265 m.ü.M. Der Honigberg ist jedoch keine auf Süßem beruhende Bezeichnung, denn “vermutlich ist die Benennung der Lage durch die alte Weinsorten-bzw. Qualitätsbezeichnung “hunnisch” entstanden.” Mit Hunnisch ist wahrscheinlich der Heunisch gemeint, eine der ältesten und am weitersten in Deutschland ehemals verbreiteten weißen Rebsorten.

Der Winzer H. Brisbois scheint auch nicht mehr aktiv Wein zu keltern. Ich konnte im Internet weder Winzer noch Weingut unter diesem Namen finden. Ob Kerner und Huxelrebe zusammen eine klassische Cuvée ist, ist mir leider nicht bekannt, da solche eine Kombination seit Jahrzenten schon nicht mehr wirklich up to date ist. Was auf jeden Fall überzeugend ist, ist die wirklich orangfarbene klare Erscheinung des Weins. ‘Geiler Wein’ dachte ich im ersten Moment unbedachter Weise, was geschmacks- und geruchstechnisch aber nicht wirklich den Erwartungen standhalten konnte. Kerner und Huxelrebe sind aber auch keine Rieslinge. Es war wohl mal ein Trinkwein, damals 1986.

Der Wein wirkt zwar noch nicht ganz tot, aber wirklich viel Frische ist nicht mehr vorhanden gewesen. Es hält sich noch die Waage zwischen Firne und trinkbarem Wein. Er wirkt noch animierend, leicht, süßlich und fruchtig – kann aber nicht mehr überzeugen, da Tiefe und Überzeugungskraft verschwunden sind. Er ist flach aber süß, fruchtig und ein wenig bitter. Ich habe nicht wirklich Ahnung, wie das so entstehen konnte und ob das stimmig ist. Fakt ist: Es war interessant diesen Wein mal probiert zu haben.

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