In diesem kleinen Beitrag soll es um Manfred Rothe aus Nordheim am Main in Franken gehen, der zum einen einer der Öko-Pioniere der Region war, als auch ein ausgemachtes Genie in Sachen Maischegärung und Kvevri-Weinen !
Der Weinbau hat bei Familie Rothe eine lange Tradition. Der konsequente Schritt zur Umstellung auf kontrolliert-biologischen Anbau erfolgte 1983, nach der Übergabe an die nächste Generation .. also als Manfred jung war und sich entscheiden konnte, was er in seiner Zukunft machen wollen würde. Das war zu einer Zeit, als das Thema Nachhaltigkeit im Weinbau noch kaum Beachtung fand.
2001 begann der eigene Weinausbau . 2003 wagte man dann mit dem ersten maischevergorenen Silvaner den Schritt in Richtung Naturwein. Und 2013 wurden schließlich georgische Amphoren in den Boden eingelassen – ein Meilenstein für die Ausrichtung des Weinguts, das seither neben klassischen Bioweinen auch konsequent auf Naturweinstilistik setzt.

Nicht jeder Keller in Franken ist automatisch viele hundert Jahre alt, aber es kommt vor allem auf das Klima .. besser gesagt Mikroklima jedes einzelnen Kellers an. Kleine Unterschiede können große Auswirkungen haben.
Eigens für eine neue alte Art Naturwein hat Manfred Rothe in seinem Weinkeller zwei über 2m große original georgische Weinamphoren aus Ton vergraben. Diese Art alte Art der Weinbereitung hat eine wahrscheinlich über 7000 Jahre alte Tradition. Sie verlangt ein großes Wissen und Fingerspitzengefühl für die Natur, den Wein als Pflanze und natürlich alles rund um die Herstellung von Wein bzw. Amphorenwein.

Und es geht mir weniger um die einzelnen Weine in diesem Beitrag, sondern viel mehr um das was im Glas draus wird. Und da lässt sich Manfred immer von der Natur leiten, inspirieren und auch überstimmen. Wenn das Ergebnis passt und der Zeitpunkt gekommen, dann wird der Wein gefüllt und bekommt eine und seine Bestimmung !
Das kleine Bild vom Regal soll verdeutlichen, dass man ohne die Gesellschaft und Konkurrenz letztendlich allein dastehen würde. Inhaltlich wie praktisch. Das Umsehen, was andere Winzer so treiben gehört zu klassischen inneren Bereicherung eines jeden Bio-Winzers. Es ist stets interessant zu schauen und zu verkosten, was die Kollegen so auf die Flaschen bringen. Es gibt diesen stillen Austausch schon seit es Freundschaften gibt. Oft schickt man sich auch gegenseitig 6er Kartons um sich gegenseitig zu verkosten.

Wie so oft war auch bei den Rothes die Geburt der Kinder ein Grund, den eigenen Lebensstil zu überdenken und sich mit den Vorteilen des ökologischen Weinbaus auseinanderzusetzen. Damals wurde an der Mainschleife noch mit Hubschraubern Planzenschutzmittel versprüht“, erzählt er mir. Als auch seine Kinder mit starkem Asthma zu kämpfen hatten und die Grundwasserqualität immer schlechter wurde, war für die beiden klar, so konnte es nicht weitergehen. „Wegziehen oder etwas ändern.“, so fasst er es zusammen. Da die ganze Familie am Main ihre Heimat hatte kam wegziehen nicht in Frage. Also etwas verändern. Seither gehen sie konsequent ihren Weg. Rothe wirkt zufrieden, wenn er auf die Entwicklung seines Betriebes und des Winzerhandwerks in den letzten Jahrzehnten zurückblickt. Auch beim Wein ist Bio längst kein Nischenprodukt mehr. Fast 8000 Hektar Weinanbaufläche werden mittlerweile in Deutschland ökologisch bewirtschaftet. Die Rothes gehören zu den Pionieren der Bewegung und haben viel bewegt.

Den Muscaris hab ich letztendlich nur deswegen abgelichtet um zu verdeutlichen, dass moderner .. in Zügen altruistischer, aber auch ökologischer Weinbau nicht an modernen Rebsorten vorbeikommt. Was sind moderne Rebsorten ? Jene die gegen die klassischen Rebkrankheiten etwas imuner sind, als althergebrachte Rebsorten. Letztendlich braucht man mit diesen Rebsorten weniger ökologische Präparate zur Pflanzengesundheit ausbringen um am Ende gesunde reife Trauben ernten zu können. Was manche alther gebrachte Winzer, Genossen und die Industrie unter Pflanzenschutz verstehen, ist ja zu oft nur ‚Herr verschon mein Haus und zünd das des Nachbarn an‘ .. ergo das Totspritzen unerwünschter Pflanzen und Kräuter .. unter den Weinstöcken. Gut zu erkennen an orangenen Linien direkt unter den Reben. Muscaris, wie auch Blütenmuskateller, Souvignier Gris und so manch andere recht neu wirkende Rebsorte gehört da dazu.

Der Sommer 2018 war ein extrem heißer, weswegen dieser feine Spätburgunder Rosé diesen Namen bekommen hatte .. inkl. diesem merkwürdigen aber lustigen Etikett. Das eigentlich witzige ist eigentlich, dass es Manfred fast immer schafft, aus herausfordernden Situationen dennoch das Beste herauszuholen ohne den Wein zu etwas zu zwingen, was er eigentlich nicht sein möchte. Aus diesem wäre einfach kein Spätburgunder Rotwein geworden, der dem Kunden ernsthaft hätte vermitteln können, dass es nichts Besseres gegeben hätte.

Und damit die Endkunden den Wein auch so witzig finden und gern haben wie das Etikett bunt ist, ließ Manfred etwas Süße drin. Wahrscheinlich hatte der Wein die Gärung unterbrochen, denn im Hause Rothe stoppt man Prozesse nicht künstlich, und ist nicht wieder von allein ‚angesprungen‘. So entstand ein absolut herziger und trinkiger Rosé, ungewöhnlich aromatisch, aber dennoch mit einer entgegenkommenden Komplexität.

Kurzum: das Weingut Manfred Rothes in Nordheim ist jedes Jahr einen Besuch wert !