2018er Weißburgunder Auslese von Erik Hofmann - Weingut von Null

Bei mir war es wieder einmal Zeit einen Wein von der Mosel im Glas zu haben ! Da bot sich mir vor wenigen Tagen die Gelegenheit ein Geschenk von Weihnacht einmal zu probieren. Gesagt, getan – kalt gestelt, aufgezogen, den 2018er Weißburgunder A vom Weingut Von Null !

Noch vorwerg: beim Weingut von Null geht ein ganzer Euro je Flasche (!) an die Anni Hofmann Stiftung. Die Spenden investiert die Stiftung selbstlos in der Forschung über aggressive Gehirntumore (Glioblastoma Forschung) !

Der vorletzte Sommer war auch an der Mosel ein ziemlich warmer, wodurch Winzer Erik Hofmann seinen Weißburgunder mit ordentlich Süße und satten 96° Öchsle lesen konnte. Aber von vorn !

Erik Hofmann ist gelernter Winzer und lebt inzwischen seit bald 15 Jahren in Traben-Trarbach an der Mosel. Seine Zeilen mit alten Weißburgunder-Reben pflegt er so ökologisch und umweltverträglich wie möglich. Dabei schreckt er natürlich auch vor stundenlanger Handarbeit ganz allein im Seitental des Wolfer Sonnenlays nicht zurück. Nur so können auch sehr individuelle und auch recht ‘persönliche’ Weine entstehen. Hier brauch man sich keine Sorgen machen. Seine Weine sind grundehrlich und vollends authentisch, das kann ich mit Überzeugung sagen. Leider war ich zuletzt vor mehr als 3 Jahren zuletzt vor Ort im Weinberg. Da sollte einmal ändern !

Das Wolfer Sonnenlay ist eine der Lagen, welche über die vergangenen Jahrzehnte Stück für Stück aufgegeben wurde. Aktuell ist nicht einmal mehr die Hälfte der Lage bepflanzt. Dafür geht es dort jetzt umso ruhiger und auch ein wenig naturnaher zu, als in anderen sehr intensiv bewirtschafteten Lagen direkt an der Mosel.
Gelesen wurde der Weißburgunder am letzten Septembertag 2018 mit eben jenen 96° Öchsle. Der Wein wurde abgebeert / entrappt und direkt abgepresst und bei kühlen Temperaturen sehr sehr langsam vergoren. Im Winter 2018/19 fiel bei dem im Stahl ausgebaute Wein die Weinsäure aus und anschließend fand eine sehr langsame BSA statt.

Bis zu Füllung lag der Weißburgunder knapp 10 Monate auf der Vollhefe und hatte Zeit sich zu entwickeln. Entstanden ist ein sanfter und trockener Weißburgunder mit knapp 4g Restzucker pro Liter, etwas gleichem Wert an Säure und knapp 13% Alkohol. So weit so gut, ist eigentlich fast alles geklärt.

Anfangs verwundert einen der Wein ein wenig, aber bei den Anlagen ist die Erscheinung im Glas verständlich. Ein sanfter und säurearmer Weißwein, den man erst einmal kennen- und ‘verstehenlernen’ muss. Ich würde behaupten, dass der BSA den Wein eher negativ verändert hat, da so ein wenig der Säure fehlt, welche dem Wein wahrscheinlich arg geholfen hätte. Ich kann mich aber auch irren. Nun aber zum Wein !

Vorher aber noch einen ganz kurzen ‘Weinfarbenkunde’-Einwurf. Bei Weißwein unterscheidet man allgemeinhin in 4 farbliche Grundtöne: grünlich, ‘Zitronen’-gelblich, goldig und bernsteinfarben in den Abstufungen hell bzw. blass – mittel oder ohne genauere Bezeichnung und tief. Diese Abstufungen findet man so natürlich auch bei Farben für Rotwein wieder.

Ich finde dieser junge, klare Weißburgunder hat ein mittlers Zitronengelb bzw. eigentlich schon ein blasses Goldgelb. Anfangs wirkt er gleich relativ erwachsen, trotz des jungen Alters, was wohl an der relativ dezent vorhandenen Säure liegt. Mit ein wenig Konzentration rieche ich feine Aromen von Quitte, ein wenig Zitrus. Auch zu finden ist dieser ganz leichte nussige mandelige Einschlag, der mich bei Weißburgunder immer wieder überrascht, da ich das irgendwie nicht plausibel finde. Es hat etwas von ‘Aromen-Alzheimer’, dass ich mich immer wieder überrascht fühle, wenn ich es bemerke. Alles zusammen wirkt es auch minimal karamellig, finde ich. Vielleicht sollte ich einmal ein Weißburgunder vor dem BSA riechen, denn mir kommt es so vor als wenn diese scheinbar für diese Rebsorte typischen Aromen, wie Nuss, Butter und Karamell von dem biologischen Säureabbau unterstützt werden. Was mir einen Moment später noch auffiel, war dass das My (‘Mü’) Zitrus auch mit Apfelaromen daher kam. Von den 12,9% Alc. finde ich spürt man fast nix – sehr gut gemacht !

Auf der Zunge kommt die BSA dann finde ich schon deutlicher rüber. Er wirkt weiterhin recht erwachsen, weniger spritzig und ‘verspielt’ als manch anderer junger Weißwein. Nach dem ersten Eindruck folgt aber sogleich die volle Kraft des Weines. Er wirkt konzentriert, sehr geschmeidig, aber dennoch kräftig und hat einen unheimlich langen Abgang, der mir fast Angst macht. Von der insgesamt dezenten Fruchtigkeit spürt man im Mund quasi nichts mehr. Er mutet fast ein wenig wie geölt, so gleitet er trotz einer gewissen ‘Herbheit’ und gefühlt nicht zu verachtenden Opulenz über die Zunge und durch die Kehle. Das einzige Aroma, welches ich im Geschmack selbst wiederfand war ein wirklich sehr dezentes nussiges bzw. eher andeliges Aroma, was diesen Weißburgunder für mich zu einem sehr guten Speisenbegleiter macht !

Fazit: Ein eleganter Wein, ideal als Speisenbegleiter !

[ Als Solitär würde ich ihn nur empfehlen, wenn es jemand tatsächlich so als Genusswein am Abend o.ä. bevorzugt. (Speisenbegleiter bedeutet für mich auch die jeweilige Speise positiv zu unterstützen oder hervorzuheben.) ]

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