Heute mal einen Lugana im Glas … warum auch nicht ! Dieser Weißwein stammt vom Weingut Zenato aus Santa Cristina / San Benedetto, einem westlich gelegenen Vorort von Peschiera del Garda, an der südöstlichen Ecke vom Gardasee in der Region Venetien. Soviel zur Lage der Herkunft. Nach einer kleinen Online-Recherche, musste ich feststellen, dass es in Italien wieder einmal etwas komplizierter werden könnte. Aber natürlich auch genauso einfach, wie eben kompliziert. Zum Glück ! Denn wenn man nachschaut, was die Rebsorte Lugana eigentlich genau bedeutet, werden Begriffe genannt, wie sonst selten. Vor allem im Synonym und Aroma-Spektrum ist ja quasi alles vorhanden; außer rote Beeren und Merlot… . 😉 Es heißt, dass Lugana entwerder die Trebbiano-Traube (inklusive aller Varianten) ist oder Turbiana oder Terbiana bzw. Torbiana, ebenso wie alle möglichen italienischen Bezeichnungen für die Pfeffertraube (von der ich persönlich noch nie gehört habe) oder auch alle Bezeichnungsvarianten der Verdicchio-Traube und alle Varianten einer Verdu- bzw. mit Verde- beginnenden Trauben. Ich glaube stark, dass das mit der bis vor wenigen Generationen sprachlich stark gespaltenen und inzwischen ja nun geeinten Nation Italien zusammenhängt.

Lugana geht auch wunderbar zu einfacher italienischer Alltagsküche

Wahrscheinlich war es im feudalen Mittelalter Italiens: Hier konnten sich viele unterschiedliche Bezeichnungen für mitunter fast oder voll identische Dinge von Provinz zu Provinz und zusätzlich noch zwischen den Regionen zuweilen sehr unterscheiden. Ob hier jetzt die Traube Trebbiano (Trebbiano Toscano) mit der Nummer 12628 des Vitis International Variety Catalogue oder der Trebbiano di Soave/Verdicchio mit der Nummer 12963 ist nicht bekannt. Aber wahrscheinlich würden nicht einmal die besten Sommeliers und Winzer einen Unterschied bei identischem Anbau und Ausbau erkennen.

Also zu Zenato: Das Weingut wurde 1960 von Sergio Zenato und seiner Frau Carla in San Benedetto di Lugana gegründet. Das für deutsche Verhältnisse schon recht früh ziemliche große Weingut (damals schon circa 40 Hektar) konzentrierte sich anfangs vollends auf Trebbiano di Lugana. Jetzt könnte ich vermuten, welche Rebsorte hier genau in der Flasche ist. Ich überlasse es aber lieber jedem selbst. Seit inzwischen 10 Jahren leiten seine Kinder Nadia und Alberto das Weingut, welches inzwischen zu einer beachtlichen Größe von 75 Hektar heran gewachsen ist und auch die Weinberge um das Gut Costalunga in Valpolicella besitzt.

Und nun zum Wein: Dieser Trebbiano wächst wohl in der Lage >Podere Vigna Massoni< .. was mir wenig sagt, da man in Italien teilweise schwer herausfindet, wo eine Lage aufhört und die nächste beginnt. Beispielsweise steht auch überall Veneto geschrieben, wenngleich das Lugana-Gebiet um diese Orte westlich von Peschiera zur Lombardei zählt. Aber dazu später noch ein letzter Satz. Also: Er ist klassisch trocken und, wie sollte es anders sein, für einen italienischen Wein von 2018, jung, frisch und auch kräftig mit klassisch goldig anmutender gelber Farbe. Wenn man im Internet Verkostungsnotizen oder Weinbeschreibungen sucht findet man sogar Erkenntnisse wie grünen Reflexe bzw. Schimmer und betörender Duft nach tropischen Früchten etc. etc. und Pfirsich und Banane oder gar Vanille.

Als ich mir diesen Lugana zum ersten Mal ins Glas goss, kam mir dieser fast wie eine Silvaner Fassprobe vor. Er war dezent fruchtig, mit sehr zurückhaltenden Nuancen erinnernd an Pfirsich und frühreife Äpfel mit minimalster exotik in der Nase. Im Mund dann ganz typisch relativ trocken und angenehmen leicht fruchtig säurebetont. Ich finde ihn zudem recht würzig und recht kräftig mit mittellangem Abgang. Mit steigender Temperatur im Glas wird der Abgang hinten raus ganz leicht bitter. Ich würde diesen Lugana nach dem ersten Kennenlernen zum einen noch reifen lassen und zum anderen so jung nur gekühlt und am ersten Tag noch austrinken. Ich finde, dass er an Tag zwei doch ein wenig abflacht, vor allem in der Aromatik.
Die Begleitempfehlungen für diesen Wein kann man sich quasi allesamt schenken.

Und genau da kommt noch der eine und entscheidende letzte Satz: Dieser Lugana spiegelt in seiner Erzeugung usw. ein wenig die italienische Seele wieder. Keiner der ihn nicht genau gefragt hat, weiß wo er genau her kommt. Und das ist auch nicht weiter schlimm. Denn er ist da und das jetzt ! Das bedeutet: Nimm ihn und genieß ihn ! Vivere per vivere ! oder Viva vivat ! Her damit ! Auf damit ! Hinter damit ! Öffnen, einschenken, austrinken, genießen – so einfach kann La dolce vita sein !

Für mich persönlich halte ich fest: Dieser Lugana ist keine Offenbarung und bestätigt mein persönliches Urteil, dass Lugana irgendwie nicht wirklich großartig ist und deswegen ‘everybodys Darling’ auf den Weinkarten zahlreicher italienischer Restaurants ist und wahrscheinliche erstmal auch bleiben wird. Denn wer die Italiener kennt, der weiß, dass die keinen Grund haben etwas zu ändern, so lang der Absatz stimmt und es ihnen selbst auch noch gefällt. 😀

Schreibe einen Kommentar