Beim letzten Italienbesuch im Frühjahr 2019 ging es zum zweiten Mal an den Gardasee. Unter anderem machten wir Halt an einer wirklich sauber, aber deswegen nicht weniger individuell, gestalteten Pizzeria. Wir waren auf der Suche nach einem einfachen aber dennoch in gewisser Weise hochwertigen Abendessen nach einem ‘anstrengendem’ Tag in Verona und am Gardasee. Wir fanden an der westlichen Ausfallstraße von Peschiera die Pizzeria Extrò. Während unserer Wartezeit hatte ich mich ein wenig im Laden umgesehen und dabei auch ein paar wirklich hochwertige wirkende Produkte gesehen/gefunden. Ganz nebenbei bemerkt, war die Pizza echt gut und kann nur weiterempfohlen werden. Die Pizza-Auswahl fand ich klassisch, aber dennoch sehr gut und keineswegs zu profan !

Und ich erspähte im Regal in der linken Ecke des ‘Bistros’ nebst den Bio Penne auch diesen hochwertig wirkenden Bardolino. Bei dem Preis im oberen Drittel des einstelligen Bereichs konnte ich definitiv nicht nein sagen und nahm eine Flasche mit. Jetzt etwas über ein halbes Jahr später, hatte ich spontan Lust und Interesse, diesen Bardolino Classico aufzuziehen. Und siehe da, na klar, der hätte gut und gerne noch 1-2 Jahre im Keller liegen dürfen. Aber worum handelt es sich hier genau ? Es handelt sich um eine hochwertige Cuvée des Weinguts Le Muraglie in/aus Valeggio sul Mincio !
Genau genommen handelt es sich laut dem Weingut um ’35/65% Corvina, 10/40% Rondinella und 20% Molinara and Rossignola’. Wobei mich die Angabe des Weinguts doch ein wenig verwirrt. Es ist also ein Rotwein aus mehrheitlich Corvina und Rondinella – soviel sei gesagt.

In Valeggio sul Mincio, dem Ort woher das Weingut stammt, war ich ebenso, konnte mich am Anblick leider nicht erfreuen, da es wie aus Kannen regnete. Genau genommen liegt das Weingut im Ort Santa Lucia dei Monti, nordöstlich direkt neben Valeggio. Die brachialen Touristenströme gehen so ganz knapp am Weingut vorbei. Schade eigentlich.

Valeggio sul Mincio | Quelle: Ivan Zanotti https://www.flickr.com/photos/ivan1311/

Da ich den Wein nur im ‘Fachhandel’ [ und ja, ich unterstelle dem Chef des Geschäfts, mit dem ich ein kurzes Gespräch geführt hatte, eine gute Portion Wein-know how ] gekauft hatte, fehlen mir natürlich einige Angaben zum Wein, welche ich glücklicher Weise auch von der Internetseite des Weinguts bekommen konnte.

Nur die ‘optimal reifen Trauben’ wurden hier von Hand gelesen. Daraus könnte man schließen, dass hier mit viel Mühe und Aufwand in 2 bis 3 Durchgängen gelesen wurde. Anschließend wurden die Trauben 6 bis 7 Tage auf der Maische stehen gelassen. Der anschließende Ausbau fand modern klassisch in Edelstahlfässern statt.

Diese Cuvée scheint in Italien, also vor Ort, den Geschmack der Jurys und Leute zu treffen. Anders sind die zahlreichen guten Referenzen für diesen Tropfen kaum zu erklären.
– Vini Buoni d’Italia 2018 – “Vini da non perdere”
– Concorso enologico Bardolino 2017 – Gold medal
– Premio Merum 2017 – Bardolino DOC 2016 PDF

Die Azienda beschreibt das Klima in den Hängen und Hügeln bei sich als mild und gemäßigt und die Böden aus moränen- und fluvioglazialen Ursprungs machen wohl deren Custoza, Bardolino, Bardolino-Chiaretto zu sehr besonderen Weinen mit recht präsenten Aromen und fruchtigem Geschmack.

Ich weiß nicht, ob diese Böden-Informationen redundant oder eher unnötig sind. Klar, die Böden des südlichen Alpenvorlandes stammt zum Großteil aus Ablagerungen der Eiszeiten und der klassischen Erosion der Alpen der vergangen x-tausend Jahre. Aber aufschlussreich ist das nur bedingt, da man damit eigentlich sehr wenig anfangen kann.

Manchmal frage ich mich, ob man das so beschreiben muss. Aber es kommt wahrscheinlich auf die Kundschaft an. Die heute eher als avantgardistisch einzuordnenden Winzer und Weingüter würden ihre Weine bestimmt nicht schon vorab so lobend anpreisen. Vielleicht liegt es bei den Italienern auch an einer teilweise recht hohen Konstanz der Weine, ungeachtet der Jahrgänge. Hier schmeckt dann ein Jahrgang oft wie jeder andere – mal übertrieben gesagt.

Erziehungsformen – https://www.quattrocalici.it/conoscere-il-vino/forme-allevamento-vite/

Die Trauben, aus denen dieser Wein hergestellt wird, werden nach in Norditalien oft anzufindenden traditionellen Pergola- und Spalliera-Reberziehungsmethoden angebaut.
Die Reben werden nach Aussagen des Weinguts vom winterlichen Rebschnitt bis zur Lese direkt von der Familie Vicentini persönlich bewirtschaftet / bearbeitet / gepflegt. Ich gehe aber auch davon aus, dass auch andere Familien oder Mitarbeiter mithelfen. Aber es ist auch ein klassisches Zeichen, für ein Familien-Weingut, welches den Kontakt zum Produkt trotz allen Erfolgen noch nicht verloren hat und das auch in Zukunft nicht verlieren möchte. Man fühlt sich im wahrsten Sinne verwurzelt und pflegt auch diese Berufung.

Aber nun zum Wein ! Ich hatte ihn aufgezogen und musste am Anfang erst feststellen, dass er noch ein wenig zu jung ist, aber die Klarheit und nicht zu dunkle rubinrote Farbe passte von Anfang an ! Die Anfangsoffensive des Weins fand ich doch eher verhalten. Nichts desto trotz ging ein wenig von dieser noch nicht perfekten Trinkreife auf Kosten der noch unzureichenden Belüftung. Im Glas und ab Tag 2 und 3 wurde der Wein ‘immer besser’. Der Sauerstoffkontakt tat diesem Bardolino mit seinen dann doch gut integrierten 12,5% sehr gut. Der Classico brachte sukzessiv mehr und mehr Würze und Kraft und Druck am Gaumen und im Abgang hervor, welchen ich tatsächlich echt langanhalten fand. Ich war positiv überrascht !

Man konnte feine Aromen von Kirschen und gefühlt früh / frisch reifen roten Beeren riechen, ergänz von dezent kräutrigen und würzigen Noten. Im Mund kam sogar ein feiner Hauch vollreifer Holunder dazu, wo ich dann erneut überrascht war, da der Einstieg ins Vergnügen doch etwas holprig war. Der Wein ist recht rund und besitzt dennoch eine recht ordentliche und kraftvoll wirkende Säure.
Es ist definitiv kein ‘Primitivo-Zeug’ für Camping-Rentner.
Der Wein hat Körper und Kraft und war den Kauf voll wert !

Schreibe einen Kommentar