Als ich letztens zufällig in der Nähe des Schwanenbergs und seinen weithin bekannten Weinlagen war, dachte ich mir: Na los! Sag kurz ‘Hallo’, vielleicht ist ja sogar der Chef persönlich da. Ich fuhr also vollkommen unbekümmert & sorgenbefreit mit dem Einsetzen der Dämmerung zu keiner schlechteren Zeit als um 20 Uhr in den Hof des Weinguts der Familie Weltner. Ich sah drei Personen, die mich etwas ungläubig anschauten. Eventuell lag es am ungebetenen Besuch um solch eine Zeit. Ich machte eine ahnungslose Geste, in der Hoffnung, man zeigte auf auf eine Ecke, in der ich mein Auto eben wenig störend abstellen hätte können. ^^ Ich entschied mich nach unerfüllten Hoffnungen, meinen vier-rädrigen quietsche-Esel einfach unkompliziert hinter einem bereits hinter dem Weingut parkenden Auto abzustellen. Das hat zum Glück gepasst und ich konnte ‘Hallo’ sagen gehen. Zuerst natürlich den drei etwas verdutzten Herrschaften, deren begründete Verblüfftheit erfreulicherweise mit dem Abend rasch wich. Diese Gastfreundlichkeit war überragend!

Sylvaner – Rödelseer Schwanleite 2016 – Alte Reben – trocken

Zum Glück war der Chef im Haus und einigermaßen gut bei Laune, trotz eines eher unerfreulichen kleinen Zwischenfalls eines bekannten Verlags, in einem derer Newsletter an diesem Tag. Wir begrüßten uns erfreut, da wir uns seit dem Vinocamp 2016 nicht mehr gesehen hatten. Thomas Schenk und vor allem meine Person, hatten ihm damals eine Session über ältere und gereifte Weine aufgedrückt, die er mit bravour absolvierte und ansprechend gestaltete. Zum Glück war Paul Weltner gewiss nicht der falsche Mann für solch einen Job, da er trotz seines noch jugendlichen Alters 😉 sehr viel Know-how und allgemeines Wissen zu diesem Thema besitzt. Alle waren happy in einer so kurzen Zeitspanne derart viel über die verkosteten Weine und das Thema allgemeinhin gelernt zu haben. Paul fakelte nicht lang und gab mir zwei Proben ins Glas. Er wollte gern eine kurze Meinung zum Wein und mich zufrieden stellen. Keine Frage, ein außerordentlicher Gastgeber, der erkennt, was seine Gäste glücklich macht. Ich durfte also 2 Weine probieren. 🙂

Der erste Weiße war ein klassischer Silvaner, welcher hier im Hause traditionell mit Y geschrieben wird. Ein 2016er von der Rödelseer Schwanleite von Alten Reben – klassisch fränkisch trocken ! Was zuerst auffiel war die feine Säure und der harmonische Charakter. Die Trauben wurden maximal gesund gelesen, nur kurzen auf der Maische belassen und anschließend im Stahl klassisch vergoren. Ausgebaut wurde die Charge dann im großen Holzfass aus fränkischer Eiche. Daher auch die Harmonie des Weines. Die Säure wirkt dabei als belebendes Element, welches von Aromen wie sehr reifen Steinfrüchten, Äpfeln von Streuobstwiesen und Noten von Kräutern ergänzt wird.
Ein wirklich toller Wein ! Für mehr Details war die Zeit der Verkostung leider zu kurz, um alle Finessen festzustellen.

Den zweiten Wein musste bzw. durfte ich vielmehr blind probieren. Mir fiel eine Charaktereigenschaft besonders auf. Da ich ja hin und wieder Weine aus meinem Keller probiere, die schon arg über ihren Horizont hinaus sind, hatte ich diese Nuance von Reife gerade noch frisch im Gedächtnis. Ein toll gereifter Silvaner, der gerade jetzt wirklich interessant wird ! Er wurde enttarnt und es handelte sich um den 2006er Silvaner vom Rödelseer Küchenmeister. Ich meine, dass er seinen Zenit aus Sicht eines Durchschnittsverbrauchers vor 1-2 Jahren überschritten hatte, da diese meist eher etwas jugendlichere Weine bevorzugen. Jetzt ist dieser feine und lebendige Silvaner in einem äußerst interessanten Stadium voller Reife mit noch toller Frische und anregender fruchtiger Aromatik. Nice Nice – geiler Scheiß ! Dachte ich. 😀

Es wurde weiter probiert ! Die etwas schwereren Geschütze wurden aufgefahren ! Zuerst gab es noch einen jungen Spätburgunder vom Rödelseer Küchenmeister von 2017.
Ein toller junger Wein mit toller kompakter Erscheinung und sauberer granatroter Farbe und minimal violetten Reflexen. Im Glas duftet es toll nach roten Beeren mit einem harmonischem Säurespiel zwischen den Aromen von Kirschen, Waldbeeren und dezent auch schwarzen Johannisbeeren sowie sehr feinen Kräuteraromen und dem Ausbau im Holz. Daher stammen auch die klassischen würzigen Nuancen, welche auch auf der Zunge gut schmeckbar sind. In dieser Umgebung an solch einem Abend sind freilich viele Emotionen inklusive, welche man bei eher einheitlichen Bedingungen nicht hat. Besondere Weine schmecken an solchen Tagen gern einmal ein wenig bis viel besser, als an ‘normalen’ Tagen.

Paul Weltners Bruder kreierte noch ein feines Dessert aus Ziegenfrischkäse im Ricotta-Reifestadium mit Honig und Brombeeren. Aus meiner Sicht ein ziemlich feines und zugleich auch heftiges Dessert, welches nicht jeder als einen Hochgenuss empfindet. Wer hab und zu mal ein dezent herzhaftes Dessert nicht verschmäht, wäre hier genau richtig gewesen ! Dazu gab es noch den einen oder anderen roten Wein zum langen aber intensiven Abschluss. Unter anderem noch den Vor-Vorgänger des bereits jungen Pinot Noirs von 2017. Den Spätburgunder vom Küchenmeister von 2015. Dieser Spätburgunder hat schon minimal mehr Zeit gehabt und daher auch eine dezent erhöhte Reife, welche man spürt und schmeckt. Die ganz klassische Maischestandzeit ist aber bei beiden Weinen gleich.
Die zwei Jahre ‘Alter’ mehr machen ihn reifer und runder. Ein toller Spätburgunder, den man einmal mit viel Konzentration probieren muss um ihn gänzlich erfahren zu können. Ein interessantes Alter wäre aus meiner Sicht eine Spanne zwischen 4 und 8 Jahren.

Ich möchte mich da aufgrund der teils unterschiedlichen Weinjahre nicht genauer eingrenzen, da ich auch glaube, dass eine genauere Angabe nicht wirklich möglich und auch nicht wirklich sinnvoll ist. Wichtig ist mir die Devise, dass man auch mal einen etwas gereiften Wein kaufen kann bzw. ihn auch mal im eigenen Keller gerne mal 3-5 Jahren liegen lassen sollte, wenn dieser das denn auch zulässt.

Ich kann mich bei Paul, der Runde ab Abend da vor Ort und auch Juliane Busse nur bedanken, für die herzlichen und freundschaftlichen Stunden in Rödelsee. Es hat mir sehr gefallen und ich habe natürlich auch zwei klassische Flaschen mitgenommen, auf die ich mich noch freue und hier auch nochmal einzeln beschreiben werde.

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