Letzten Sommer (2018) war ich auf einer Rundreise durch Italien und irgendwo, vermutlich in Kampanien, habe ich dann ein Bio-Olivenöl gesehen, welches im Grunde recht vielversprechend aussah. Da waren schon knapp 3000 km zurück gelegt, als ich in der zweiten Hälfte der Reise so langsam angefangen hatte, ein Auge auf die guten Produkte Italiens zu werfen. Ich glaube es war in Maiori, am östlichen Anfang der Amalfi-Küste, in einem typisch auf Touristen und Gourmets ausgerichteten Laden. Das Öl sah minimalistisch gestaltet aus, weshalb ich unvermittelt zugriff. Ich versprach mir, ohne großartig recherchieren zu wollen, viel Qualität zu bekommen. Und ich glaube ich hatte Glück und behielt sozusagen recht. Das Bio-Olivenöl, hergestellt von der Oleificio di Giacomo kommt von den flachen Hängen im nordwesten der Monti Alburni. Die Bäume stehen quasi am Fuße der Berge auf lediglich 200 bis 220 m.ü.N. Wenn die Reliefkarte von google stimmt, gehe ich davon aus, dass diese unweit um den Ort Serre stehen. Das Öl besteht aus lediglich 2 verschiedenen Olivensorten: der Rotondella- und der Frantoio-Olive, welche hier noch von Hand geerntet werden ! Das schont Flora und Fauna, weit mehr als viele vermuten ! Dadurch vergrößert sich zwar der ökologische Fußabdruck, es hilft aber mehr, als dass es insgesamt schädlich wäre, als wenn man rasch und effektiv mit Maschinen ernten würde.

südöstlich von San Marino Richtung Marken fotographiert
Panorama – Punta Ristola – Santa Maria di Leuca – Salento – nach Westen

Die Rotondella-Olive ist in der Region um Salerno keine Unbekannte. Sie ist gegen klimatische Einflüsse gut gewappnet und allgemein robust, nicht jedoch gegen die Olivenfruchtfliege. Mir sagte mal ein schweizer Produzent von Demeter-Olivenöl, der seit vielen Jahren in Portugal tätig war oder auch noch ist, dass die Schärfe im Olivenöl auch durch diese Fliege hervorgerufen werden kann. Ergo kann ein sonst wenig scharfes Olivenöl eine deutliche Schärfe entwickeln, wenn die Olivenfruchtfliege zu viele Oliven beschädigt hat, die man natürlich nicht alle einzeln untersuchen und aussortieren kann.

ruhiger Strand irgendwo von Kalabrien bis Süd-Kampanien
Amalfi-Küste am Abend – zwischen Erchie und Maiori nach Westen aufgenommen

Die Frantoio-Olive scheint insgesamt eine nicht derart häufige Sorte wie Rotondella zu sein. Wenn man im Web sucht, dann findet man nur Olivenöl-Cuvées in denen Frantoio eine mengentechnisch untergeordnete Rolle spielt. Dies kann insgesamt aber auch ein Trugschluss von mir sein, denn nichst desto trotz ist die Frantoio wohl eine der in Italien relativ weit verbreiteten Olivensorten. Wieviel Prozent die Anteile bei diesem Öl betragen habe ich nicht erfragt, da es mir nicht sonderlich wichtig erschien, da die sortentypischen Unterschiede sehr wahrscheinlich für den normalen Konsumenten ohnehin kaum wahrnehmbar wären. Und in der Cuvéetierung wird es zusätzlich noch um einiges schwieriger. Sie verträgt wohl große Hitze und starke Kälteperioden nicht sonderlich gut. Dafür ist der Ertrag dieser Olive überdurchschnittlich gut. Sie soll einen relativ hohen Ölanteil in den Früchten und wohl eine feine und ausgeprägte Aromatik besitzen. Klingt ja ganz gut soweit.

Aber nun zum edlen Produkt selbst ! DAs Öl wird klassisch schon im Oktober gelesen. Die Oliven werden per Hand mit Hilfe von pneumatischen Kämmen bzw. Virboli geerntet. Das machen wohl oft wenn überhaupt nur Qualitätsproduzenten. Danach werden die Oliven mechanisch und maximal für 6 Stunden kalt gepresst.
Das Öl hat eine leicht grünliche gelb-goldene Farbe.
In der Nase spürt man einen leicht grünen und fruchtig-feinen Duft nach Oliven und minimal auch nach Gräsern bzw. Kräutern. Ein toller Duft, den dieses Ölivenöl abgibt, ganz nebenbei bemerkt. Im Geschmack ist es erst sanft, aber kurz danach kommt es mit einer ordentlichen Portion Schärfe durch den Mund und bis in den Rachen. Dieses mitunter scharfe Kratzen im Rachen könnte aber auch von den sortentypischen Eigenschaften der Frantoio kommen. Ob es an der Ölsäure liegt kann ich nicht nachvollziehen. Da fehlen einfach die technischen Angaben ein wenig. Was die Bitterkeit angeht, finde ich es tatsächlich zurückhaltend bzw. wenig bitter.

Als wäre das noch nicht alles, erfährt man auf Nachfrage und von der Webseite, dass hier nicht nur Wert auf gutes Olivenöl gelegt und per Hand geerntet sowie schonend verarbeitet wird sondern, dass auch soziale Projekte unterstützt werden. Das Projekt nennt sich “Fattoria Didattica, was soviel bedeutet wie ‘ Pädagogischer Bauernhof ‘. Bei diesem Projekt in der Region Kampanien geht es darum, dass landwirtschaftliche Unternehmen oder ähnliche, Schulgruppen oder anderen interessierten Gruppen über Prozesse und Methoden der nachhaltigen Lebensmittelproduktion und den Zusammenhängen zwischen der landwirtschaftlichen Produktion sowie der Erhaltung der natürlichen Ressourcen des Territoriums zu veranschaulichen und hervorzuheben. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, was diese Oleificio di Giacomo tut. Hervorragend finde ich das ! Derart engagiert sind in meinem Landkreis nur die aller wenigsten landwirtschaftlichen Unternehmen, zumal es hier solch ein ‘Forum’ in solch einer Form gar nicht gibt.

Zusammengefasst: Ein feines aber recht scharfes Öl, dass man sicherlich für klassische italienische Gerichte sehr gut verwenden kann. Ich habe bisher gern die Klassiker dazu gegessen, da es wunderbar mit aromatischen und recht säurehaltigen Tomaten sowie Weißbrot italienischer Art mit grober Krume / Porung harmoniert. Mozzarella verleiht es ein gewisses Leben, welches zu weiche Öle nicht können, denen es an Schärfe und oder Bitterkeit und somit auch ein wenig Charakter fehlt. Beispielsweise stellen für mich billige Öle zu keiner Zeit eine Alternative dar. Ich hoffe dieses tolle Olivenöl findet seine Abnehmer !

Die Oleifico di Giacomo hat mir Bilder zur Verfügung gestellt, von denen ich mir, für diesen Blog-Artikel hier, ein paar ausgesucht habe und für alle hochgeladen habe. Ich wollte veraunschaulichen, wo dieses Öl herkommt und damit man einen kleinen Eindruck gewinnt, wie es da so in Kampanien ausschaut. Ich hoffe, das ist etwas gelungen.

Auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass dieses Öl auch nach Deutschland und die EU versendet wird. Dazu muss man lediglich auf die Webseite gehen und eine Nachricht schreiben. Das Bio-Öl kostet je 500ml Flasche und direkt bestellt, wie man mir schrieb, nur magere 8,-€. Ein Preis, bei dem man eigentlich nur zugreifen kann und quasi auch muss ! Mein Urteil: Besonders hervorragend !

Schreibe einen Kommentar