Es war im Dezember 2016, als ich in einer Werbung von Aldi Süd eine 0,375er Flasche Champagner sah. Eine ‘halbe’ Flasche oder natürlich auf französisch ‘Demi-bouteille’ für erschwingliche 8,- €. Also besuchte ich eine Filiale, um mir die Flasche einmal genauer anzusehen. Denn Champagner Flaschen sind auch bei Handelsmarken relativ gut gekennzeichnet. Ich fragte das Internet also noch in der Filiale, ob E. Michel aus Vertus, denn ein normaler Winzer sei, oder doch eher ein mir unbekannter größerer Abfüller. Mir fiel nichts auf, was auf einen recht großes Weingut schließen ließe. Also entschied ich mich eine Flasche des Brut Réserve Champagners von Emile Michel aus Vertus zu kaufen.

Zu Weihnachten 2016 hatte ich es dann nicht mehr geschafft die Flasche zu öffnen, dafür aber dann im Januar 2017. Die halbe Flasche lag also nicht allzu lang in meinem Keller. Wie lang die Flasche schon im Markt lag, konnte ich natürlich nicht herausfinden. Was jedoch mehr als offensichtlich war, war die Lichteinstrahlung auf die Flasche, da sie einfach auf einem der Warenwühltische lag. Im Grunde kann man, wenn man einmal nachdenkt, nicht mehr erwarten, da es sich um ein ganz normales Produkt handelt, wenngleich der Preis weit über dem Durchschnitt der übrigen Lebensmittel und auch Genussmittel liegt. Es gibt wenige verzehrbare Artikel, die noch teurer sind. Es gibt aber auch nur wenige Artikel, die eine geringere Umschlagshäufigkeit aufweisen.

Auf der eigenen Webseite sieht die Kollektion von Emile Michel sehr bodenständig und irgendwie auch interessant aus. Laut der Webseite besteht der aktuelle Brut Réserve aus 90% Pinots, also scheinbar einer gegebenenfalls wechselnden Assemblage aus Pinot Noir und Pinot Meunier, und zu 10% aus Chardonnay. Die Trauben stammen dabei, laut hauseignen Angaben, aus der Montagne de Reims, welche circa 8.000 Hektar an Rebfläche umfasst und dem Marne Tal, welches circa 11.000 Hektar Rebfläche hat. Auf der Webseite kostet die normale Imperial Flasche 28,-€, was nicht der günstigste Champagner, aber auch nicht der teuerste ist. Da sind 8,-€ schon recht wenig, keine Frage.

Laut dem ‘Gault et Millau’ kann man folgendes über diesen Schampus sagen: « Ce vin vif et léger offre un nez floral et juteux. On y plonge la bouche avec gourmandise. »
Zu deutsch in etwa: Dieser leichte und lebhafte Wein bietet eine blumige und saftige Nase. Es stürzt gierig in den Mund. – Klingt jetzt nicht arg zu elegant, aber es ist verständlich was gemeint ist. Vergeben wurden 15 von 20 Punkten, was freilich besser geht, auch für gleiches Geld.

Was mir nach dem öffnen und einschenken direkt auffiel, waren die relativ großen Bläschen. Ich dachte, dass diese Bläschen bei einem etwas länger gelagertem Champagner kleiner sein sollten. Umso länger ein Sekt bzw. Champagner o.ä. auf der Hefe liegt bzw. lag, desto feiner sollte auch der Schaum sein, zumindest direkt nach dem Eingießen. Ich fand diesen Champagner tatsächlich auch sehr leicht, leider aber nicht wirklich lebhaft und auch nicht wirklich intensiv fruchtig. Gewisse feine Noten von der Lagerung waren minimal erkennbar, aber kein Genuss-Feuerwerk – etwas Nuss und minimal Brioche. Und der beschriebene Trinkfluss wollte bei mir leider auch nicht wirklich aufkommen, schade eigentlich.

Ich fand diesen Champagner tatsächlich damals wenig ausdrucksstark und auch weit weniger interessant als erhofft. Interessanter hingegen ist da schon dieser Artikel von Hendrik Thoma, aus dem August 2006 – >> Champagner ist nicht gleich Champagner <<.

Ich würde diesen Champagner wahrscheinlich kein weiteres Mal kaufen. Da bekomme ich für weniger Geld mehr Wein oder einen besseren Winzer-Sekt ab Hof.

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