An einem sommerlichen Abend dieses Jahres las ich in einer lokalen Zeitung, dass ein mir noch unbekanntes Weingut unweit im Taubertal passender Weise geöffnet hatte. Ich entschloss mich also nach wenigen Minuten, mich einmal in der Heckenwirtschaft der Winzerfamilie Fries in Röttingen zu begeben. Keine halbe Stunde später stand ich dann in der selbsternannten ‘Europastadt’ und Stadt der Sonnenuhren.

Ich setzte mich an einen halb-freien Tisch und bestellte ein Glas Bacchus Kabinett trocken. Kein schlechter Einstieg, da dieser ganz nach meinem Geschmack war. Ein Bacchus, welcher nicht aufgrund seiner typischen Fruchtigkeit auffiel, sondern vielmehr durch sein eher untypisches Bouquet. Ein Wein der nach Bergkräutern, Holunderblüten und steiniger Steillage duftete. Ein mineralischer Bacchus, der so klassisch, trocken, kräutrig und dezent fruchtig in dieser Region selten zu finden ist. Ein wenig schade eigentlich.

Ich durfte dann, ganz zu meiner Freude, noch ein wenig herum probieren. Unter anderem eine Silvaner Spätlese von 2017 und einen 2018er Weißburgunder – beide von der bekannten Lage der Stadt – dem Röttinger Feuerstein.
Beide hatten guten Druck im Mund und ansprechende Bouquets. Der Silvaner war gegenüber dem Weißburgunder der elegantere, harmonischere und minimal weniger trockene Wein. Wobei beide Weißweine dennoch ganz klassisch fränkisch trocken unter 4g Restzucker sind. Ob der Silvaner der komplexere von Beiden war, konnte ich in der Kürze des Moments, für mich nicht festhalten. Er ist runder, etwas reifer in seiner Art und hat einen längeren Nachhall. Die Fruchtaromen, hatte ich mir nicht gemerkt. 🙁

Der Weiße Burgunder war der etwas schlankere von beiden Weinen. Ich schmeckte eine typische aber hier ganz dezente pfeffrige Note. Meine Aufmerksamkeit fiel dann aber rasch auf die fein ausgeprägten Aromen von Kernobst, wie Birnen. Ein Weißburgunder, welcher tatsächlich, in einem der Weinorte mit den meisten noch selbst kelternden bzw. ausbauenden Winzern des ganzen Taubertals, seine Ellbogen ausfahren kann und sich souverän behaupten kann.

Und natürlich wollte ich dann noch eine Flasche daheim in aller Ruhe probieren und hatte mir das rote Flaggschiff ausgewählt. Die 2015er Domina vom Röttinger Feuerstein !

Die Domina, welche von Haus aus weniger Gerbstoffe besitzt, kommt mit einer angenehmen und kräftigen Säure daher, die den Wein stütz und definitiv nicht aufputscht. Die ‘weichen’ bzw. wenigen Tannine, sind hier aber auch auf den Ausbau in recht jungen Barriques zurückzuführen, welche verwendet wurden. – Tolle rubinrote Farbe mit leichten violetten Reflexen. Eine dezent fruchtige Aromatik, welche nach dunklen Beeren duftet und an Aromen gedörrter Pflaumen erinnert. Viele schreiben oder beschreiben bei Domina unisono ein Brombeerduft, welchen ich hier zum Glück jedoch nicht wirklich nachvollziehen kann/konnte. Man könnte kurz an Brombeere denken, was wohl aber eher am ganz leicht balsamischen Charakter liegt. Dieser Einschlag kommt wohl aber sehr wahrscheinlich vom Ausbau im Barrique und kann auch als minimal marmeladig verstanden bzw. eher fehl-interpretiert werden. Auf eine Maischeerhitzung wurde hier natürlich verzichtet ! Das hätte dem Wein auch ein merklich anderes Auftreten beschert.

Mit starker Verwirbelung am Gaumen, dem gezielten ‘erschlürfen’ (insgesamt gibt es kein allumfassenden Fachbegriff dafür) konnte ich die Röstaromen der Barriques und andere sekundäre Aromen wesentlich besser wahrnehmen. So zum Beispiel kommen feine Nuancen des Eichenholzes und kräftigere Nuancen der Röstung der Fässer zum Vorschein. Anfangs konnte ich wenig Vanillearomen schmecken, später aber dezent mehr. Freilich muss man etwas ‘spielen’ um diese Aromen zum Vorschein zu bringen. Diese 2015er Domina ist würzig und hat Druck und Kraft, obwohl sie auch geschmeidig ist.
Sie ist aromatisch mit vornehm dezenter fruchtige Süße und mit gut eingebundenem angenehmen Barrique-Ausbau.

Ich hatte mir die Domina zu Verschiedenem kombiniert. Hier beispielsweise mit Le Cabrissac, Brot und ein wenig Obst.

Insgesamt ist die Domina sehr harmonisch, vollmundig, minimal verspielt (aufgrund der Säure) und aufgrund des Ausbaus in Barriques erwachsen zugleich mit einem kurzweiligen Abgang, der den nächsten Schluck fordert. Eine Domina die Ihrer namentlichen Zweideutigkeit 😉 gerecht wird, und fordert ! Fordert getrunken zu werden ! Man kann dieser Aufforderung nur nachkommen, leider und ist sogleich gebunden, denn wenn man einmal das Ende der Weinliste bei der Winzerfamilie Fries erreicht hat, dann gibt es kaum ein zurück.

Eine andere Kombination war mit Tortellini in Butter und sautierten Tomaten und Oliven. Nicht optimal, aber lecker !

Diese Domina geht umgangssprachlich ‘gut ab’ und macht Spaß, keine Frage ! Und ganz ehrlich: so soll’s auch sein, es wäre ja schlimm wenn es anders wäre !

Persönlich muss ich sagen, hat mich die Domina anfangs an norditalienische Rote erinnert, aber Stück für Stück wich dieser Eindruck und wurde durch eine Art neue Erkenntnis, über Domina aus wenig oder unbelegten gebrannten kleinen Holzfässern, ersetzt. Ich bin der Meinung, dass solche Weine auch in Franken bzw. im Taubertal ihre Berechtigung haben und haben (sollen) dürfen ! Weiter so ! Nur Mut ! Keine Frage !

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