Eine etwas ältere Kellerleiche wurde wieder einmal zu Leben erweckt. Diese fast 50 Jahre alte Flasche hier stammt, wie man leicht erkennen konnte, vom über 140 Hektar großen Albiger Hundskopf. Die große Lage Hundskopf liegt 4km nördlich vom überregional bekannten rheinhessischen Wein-Hotspot Alzey und direkt im Norden von Albig selbst. Eine Exponation kann beim Albiger Hundskopf nicht angegeben werden, da es sich hier um eine 360 Grad Bepflanzung des Hinterbergs, auch bekannt durch den Turm ‘Auf dem Fels’, handelt. Ich finde solche Weinberge im Grunde spannend, aber Weinberge dieser Art erfahren irgendwie nur südlich der Alpenlinie eine gewisse besondere Anerkennung. Mein liebstes Beispiel ist da die Libanon-Zeder (il Cedro del Libano a La Morra) auf dem Hausberg von Monfalletto, östlich von La Morra / nördlich von Barolo im Piemont, welcher von Cordero di Montezemolo bewirtschaftet wird. Zwar ist dieser vollbewirtschaftete Hügel bei weitem nicht so groß wie der Hundskopf und auf einer Seite steht auch ein Gebäude, ich hoffe man merkt aber, was ich damit zum Ausdruck bringen wollte.

Weinbau gehört in Albig seit der ersten überlieferten urkundlichen Erwähnung vor über 1250 Jahren zur Kultur und Geschichte der Stadt. Auf den beiden Albiger Lagen werden wohl an die 2 Dutzend verschiedene Rebsorten angebaut. Vielleicht hat das zum Schutz vor Seuchen im Rebberg eine lange Tradition, dass man zur Streuung des Risikos viele verschiedene Rebsorten nebeneinander angepflanzt hat. Gegebenenfalls auch weil man das Risiko unreifer Trauben streuen wollte. Ähnliche Gründe haben alte Rebsortenmischungen, wie auch bspw. der Fränkische Satz.
Nun aber kurz zum Weingut. Das Weingut Jakob Gerhardt existierte seit 1751 und unter Leitung der Familie Gerhardt bis 1987, denn 1987 kaufte Max Dieter Altmann das ganze Weingut auf, behielt aber den Namen Jakob Gerhardt bei. Heute bewirtschaftet das Weingut in Dexheim über 70 ha und stellt Sachen her wie ‘Secc au Chocolat mit Rotwein’ !

Die ’71er Albiger Hundskopf Auslese Cuvée besteht zu sehr wahrscheinlich ungleichen Teilen aus: Faber-Rebe, Weißem Burgunder, Müller-Thurgau, Morio-Muskat und Silvaner. Herauszufinden in welchem Verhältnis cuvetiert wurde, finde ich aber ein wenig unnötig. Irgendwie ist das aber auch eine Art eines modernen gemischten Satzes ! Eine Anbauform, die im Grunde von der grundlegenden Gegensätzlichkeit von früh-, mittel-, und spätreifen Sorten stets ‘profitiert’, in dem man irgendwie jedes Jahr etwas ernten kann und nie einen Totalausfall hat. Ganz egal ob es Spätfrost oder verschiedenste Witterungswidrigkeiten erleiden musste. Wobei man erwähnen muss, dass es dafür noch einen wesentlich genaueren, exakteren Blick auf die unterschiedlichen Eigenschaften der einzelnen Rebsorten bedürfen würde.

Die Cuvée hatte leider schon einen recht katastrophalen Pegelstand erreicht gehabt, was leider zuletzt dem Korken zugeschrieben werden muss. Beziehungsweise mir, der den Wein vielleicht auch schon vor 5 Jahren hätte aufziehen können. Der Wein ist klar und tief bernsteingelb. Diese Farbe liefert klare Hinweise für (bereits gut voran geschrittene) Oxidation und (ehemals und noch) vorhandene Restsüße. In der Nase ist er freilich spürbar oxidativ, aber auch noch ein wenig fruchtig. Die Aromen, welche ich erkenne, gehen in die Richtung Dörrobst und Rosinen (könnte eventuell ein wenig am ‘freien Schwefel’ liegen), aber auch überreife Äpfel in Streuobst-Manier und ein exotischer Einschlag sind wahrnehmbar. Geschmacklich ist auf jeden Fall die Süße der Auslese und die ordentliche Oxidation sehr präsent. Mögliche feine Fruchtaromen, sollten Sie ja existiert haben, kann ich nicht mehr heraus schmecken. Das Einzige was mir auffällt sind ebenso ganz dezent Dörrobst- und Apfelaromen und ein Touch von geräucherter Fleisch im Abgang, welcher kein Besonderer ist. Ich habe jedoch keine Ahnung woher sowas kommen. Vielleicht finde ich es in Zukunft mal irgendwann heraus. Im Sinne von, dass ich jemanden frage, der eventuell weiß.

Ich kann mir vorstellen, dass diese Cuvée (aus einer Lage) früher einmal ein schöner Wein zum / für unkomplizierten Genuss war. Ich finde, dass solche Cuvées auch heute wieder ihre Berechtigung haben. Vielleicht findet sich ja mal ein Winzer, der den Mut hat mehrere Rebsorten cuvetiert in höchster Güte und komplett deklariert nicht durchgären zu lassen. Ich fände es definitiv interessant und spannend.

Schreibe einen Kommentar