Ich habe es in den vergangenen Tagen bzw. Wochen hier und da lesen können. (..als ich den Artikel zu schreiben begann .. vor Jahren !) Tom Glass’s erster eigener Wein der Silvaner 1883 ist quasi in aller Munde. Christoph Raffelt schrieb für das Magazin ‚meiningers Sommelier‚ und Chez Matze auf seinem gleichnamigen Blog über ihn. Zumindest manch einem ganz normalen Weinfreund ohne großartige Verbandelungen in diese etwas tiefer gehende Weinwelt, wird er schon bekannt sein. Allen anderen wird er sich über die kommenden Jahre noch bekannt machen – denke ich.
Wie komme ich zum Wein: Mein ehemaligen Chefs alias Stephan und Simone Krämer sind gut befreundet mit Tom Glass und genau dort konnte ich bei einem Besuch, ein mal seinen Wein probieren. Das reicht freilich nur für eine kurze Notiz in meinem digitalen ‚Wein-Tagebuch‘, aber das macht nichts. Wein ist Wein und Notiz .. Notiz.
Ich selbst hatte das Vergnügen mit Tom Glass vom Sommer 2016 an ein Jahr lang im gleichen Weingut zu arbeiten. Kennen gelernt hatten wir uns aber schon vorher auf einem Hoffest der ökologischen Krämers in Auernhofen.

Tom Glass ist ein sehr interessanter Typ, der schon gut herum gekommen ist und sich sein Bild von der Weinwelt machen konnte. Das hat ihn auch dazu bewogen sukzessiv immer stärke in die ökologische Richtung zu gehen und so auch seine Rebzeilen zu bewirtschaften. Dahingehen ist Tom’s Vorteil in meinen Augen auch gleichzeitig Nachteil – wie so oft – die Medaille hat auch eine Kehrseite. Tom beackert für seinen Silvaner eine recht überschaubare Fläche. Vorteil: er kann sehr gut auf die Gesundheit seiner Reben eingehen und am Ende ein wirklich hochwertiges Produkt herstellen.
Nachtteil: wenn etwas passiert wie Frost oder Hagel, dann ist der Schaden auch prompt recht hoch, da sich alle Reben eben nur an diesem einen Fleck befinden. Kein Backup und somit auch quasi keine Ernte – hieße das im schlimmsten Falle. 2018 und 2019 ist das nicht eingetreten. 2020 kam jedoch der Frost und hat auch Tom’s Silvaner nicht verschont. Was draus wird, muss man abwarten. .. korrigiere: musste man abwarten. Aber das sollte nicht das einzige Jahr mit Schwierigkeiten gewesen sein. 2024 hatte es bspw. ja im Grunde alle erwischt !
Der Silvaner steht auf einer Hanglage auf Muschelkalk, der prinzipiell nach Südosten ausgerichtet ist. Und von dort kommt/kam nun dieser Wein.

1883, der Name dieses Weins, ist nicht etwa das Pflanzjahr der Reben (das wäre in der Tat sensationell), sondern die Bezeichnung für das Flurstück. Geerntet am 31. August im definitiv ungewöhnlichen Weinjahrgang 2018, wurden die Trauben über einen Zeitraum von vier Tagen in einer historischen Korbkelter gepresst. Dass dabei keine primärfruchtige Spaßbrause herauskommt, ist ziemlich logisch. Dicht und ziemlich kompakt zuerst, geht das von der inneren Struktur her fast in Richtung Loire, vielleicht auch wegen des Spiels mit den leicht oxidativen Elementen. Es gibt zwar definitiv Extrakt und Substanz, aber alles in dem Wein ist von einem festen Gerüst gehalten. Ziemlich beeindruckend ehrlich gesagt und gleich mal mein Favorit am ersten Tag.
Die schlechteste Nachricht zu guter letzt: Der 1883 ist beim Winzer schon ausverkauft ! Wenn man online oder im Handel noch eine Flasche findet, dann sollte man definitiv zugreifen !